Samstag, 17. März 2012

Welche Zuhältervisagen am protzigen Stand der ARD rumlaufen, und zwar noch vor der Öffnung für den Publikumsverkehr, was für Visagen also auf diesem "Tele-Forum" in die Luft stieren, unglaublich. Auch Puffmütter dabei. So oder so ein Faszinosum, wie viele tumbe Gesichter man auf der Buchmesse sieht. Kein Gramm Grütze in der Schüssel, aber ein Auftreten, als hätten sie selbst und höchstpersönlich den Buchdruck erfunden, oder die Erstausgabe der Illias rausgebracht.
Eine mehr oder minder literaturlose Veranstaltung: Halle 2 gestopft voll mit Comics und Mangas, und den dazugehörigen, verkleideten Halbwüchsigen. Was hat das hier zu suchen? Ach ja, seit man den Scheiß Graphic Novel nennt, läuft auch Batman unter Literatur. Deshalb mittlerweile so viel Pöbel auf der Bookfair rumläuft und die Gänge verstopft.
Ähnliches sieht man ja mittlerweile ebenfalls in den Bibliotheken; seit die AGB einen Riesenhaufen DVDs in die Bestände genommen hat, macht sich dort der Mob breit. Was waren das für schöne Zeiten, als es in Bibliotheken so leise war, dass man lesen konnte.
Egal, Lyrik kaufen die ja seit mehr als zehn Jahren nicht mehr.

Dominik Ziller, Andrea Schmidt, Johannes Frank

Daniela Seel

Adrian Kasnitz

Christian Lux, Mathias Traxler


Am Abend dann noch mehr Lesungen, im Tapetenwerk. Kookbooks, Fixpoetry, Verlagshaus J. Frank. Schon vor den Ateliers, in denen gelesen wird, fast nur Berliner Dichter zu sehen. Eine merkwürdige Angewohnheit, sich in Leipzig gegenseitig zuzuhören, obwohl man sich ja erst letzte Woche in der Kneipe getroffen hat. Es wäre sinnvoller, eine kleine, unabhängige Buchmesse in Berlin zu veranstalten, dann könnten wir uns alle die Kosten für Fahrt und Übernachtung sparen.
Aber natürlich: das Familiäre ist eine schöne Sache, und im eigenen Empfinden wird Leipzig plötzlich ein Vorort von Berlin, insbesondere weil ganze Straßenzüge so ausschauen wie Prenzlauer Berg um 1995. Eine angenehme Stadt.

Crauss, Dominik Ziller, Max Czollek

Crauss


Oya Erdogan, Gerrit Wustmann

Später in ein Café in der Beethovenstraße, nahe des Deutschen Literaturinstituts, in dem bis in die Nacht eine bombastische Lyriklesung läuft, die wir uns eigentlich anschauen wollen. Aber völlig geschafft bleiben wir bei Suppe und Wein in diesem Café kleben. Und fahren dann schließlich in die Ferienwohnung zurück, die weit draußen liegt, in der sächsischen Einöde.

Johannes Frank

Swantje Lichtenstein, Crauss
 

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Kommentare:

  1. nu nu, ganz schön viel dünkel und halbseidene lavaterie, mon cher

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  2. arrogantes Geschwafel

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