Ich hatte schon immer etwas für das Makabere übrig. Für die Zerstörung, die Verstörung.
Im Bücherregal meines Vaters gab es ein schmales Taschenbuch mit Zeichnungen von Roland Topor, bitterböse Skizzen von Männern in obskuren Nöten, die sich zum Beispiel das Gehirn kämmten, oder an ihren langgezogenen Ohren schaukelten. - Ich fand das schon als Achtjähriger amüsant.
Jahre zuvor hatte ich mit Matchbox-Autos Massenkarambolagen nachgestellt, mit dem ganz großen Hammer aus der Werkzeugkiste (die nach Maschinenöl roch), später ein Autodafé mit Playmobil-Figuren veranstaltet, der kleine Großinquisitor mit dem BIC-Feuerzeug der Mutti (das meist auf dem Wohnzimmertisch lag, neben dem Päckchen ERNTE 23, das damals noch weiß und gelb war, nicht orangenfarben - das haben dann in den Achtziger Jahren die Illuminaten erzwungen).
Die Kriegslücken in den Häuserzeilen, die verlassene Schlachterei gegenüber der Heiligen-Geist-Schule, grauer Regen, Hochmoore, verlassene Heide, Totengrund. Verwesende Tiere am Wegesrand, Dabei war ich so ein bezaubernder, weizenblonder Junge mit Häschenzähnen und engelsgleichem Lächeln. (Minestrant aber nicht; das war nicht möglich in unserer existenzialistischen Familie, die nur aus Satre, Piaf und Rollkragenpullovern bestand).
Und immer wieder dieser Band von Topor. Ein seltenes Buch, schwer zu bekommen in den späten Siebziger Jahren (heute zu kaufen für ein paar Cent bei booklooker oder amazon).
Ich habe mich heute Morgen an dieses Buch erinnert, als ich vom Kindergarten zurück nach Hause ging, unter grauem, regnerischem Himmel, und darüber nachdachte, welche Bücher ich auf das oberste Regalbrett stellen soll, damit mein fünfjähriger Sohn nicht rankommt.
Er ist so weizenblond, hat ein so engelsgleiches Lächeln. Verstörung.
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Mittwoch, 20. November 2013
Montag, 9. September 2013
Einige Impressionen von einer bemerkenswerten Lesung mit Daniela Seel und Martin Piekar in der Z-Bar. Ins Besondere die Gespräche der Beiden über das vorgegebene Leben, das uns zum Beispiel IKEA unbietet, waren erhellend und kurzweilig.
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| Daniela Seel, Martin Piekar, Johannes Frank |
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| Daniela Seel, Martin Piekar |
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| Birgit Kreipe, Georg Leß |
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| Johannes Frank |
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| Dominik Ziller |
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| Trautsch, Kreipe, Frank, Piekar, Kennel |
| Florian Voß |
Donnerstag, 29. August 2013
Leeres Licht
Es twittern die Goten durch all
die Jahrhunderte unlesbares Zeug
Ein Thing, ein Ding ohne Sinn
Die Suren, Mansuben der Araber
ungelöste Rätsel in Schwarzweiß
Ein Wandelstern aus Dunst
besetzt von Bauern aus Fleisch
Der Rote Riese ist König
auf dem Brett des Alls
Hier gewinnt allzeit Schwarz
Es zwitschern die Vögel
im leeren, im blauen Raum
Kaum frei fliegen sie auf
Ein feiner Dunst aus Staub
leitet sie in das Aus
Immer noch kannst du sehen
blinden Flug der Tauben
Auguren findest du in Trauben
Post an Post im Netz
Sie angeln im leeren Licht
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Dienstag, 27. August 2013
Wolfgang Herrndorf ist tot.
Und mir stehen die Tränen in den Augen, was mir, bei einer mir fremden Person, noch nie passiert ist.
Aber ich habe ja die letzten Jahre seinen Blog gelesen, und dadurch ist er mir nahe gekommen. So jedenfalls kommt es mir vor.
Einmal habe ich ihn vor der Z-Bar gesehen. Dort saß er mit Freunden in der abgedimmten Nacht, als einziger nahezu schweigend. Ich hätte ihn gerne angesprochen, um ihm zu sagen, wie gut mir Sand gefallen hat, wie großartig ich seine Art zu Schreiben fand, aber ich wollte keinen sterbenden Mann von der Seite anstrudeln.
Was hätte dieser Autor noch schaffen können. Uns gehen vermutlich die fünf oder sechs besten Romane der 10er und 20er Jahre durch die Lappen.
Immerhin: Sand wird bleiben, da bin ich mir sicher, und natürlich auch Arbeit und Struktur.
Und jetzt gerade teilt Kathrin Passig auf Facebook mit, dass Wolfgang Herrndorf nicht an Krebs starb: "Er hat sich gestern in den späten Abendstunden am Ufer des Hohenzollernkanals erschossen."
Immerhin ein selbstgewähltes Sterben. Ein letzter Sieg. (Aber es treibt mir noch mehr Tränen in die Augen).
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Und mir stehen die Tränen in den Augen, was mir, bei einer mir fremden Person, noch nie passiert ist.
Aber ich habe ja die letzten Jahre seinen Blog gelesen, und dadurch ist er mir nahe gekommen. So jedenfalls kommt es mir vor.
Einmal habe ich ihn vor der Z-Bar gesehen. Dort saß er mit Freunden in der abgedimmten Nacht, als einziger nahezu schweigend. Ich hätte ihn gerne angesprochen, um ihm zu sagen, wie gut mir Sand gefallen hat, wie großartig ich seine Art zu Schreiben fand, aber ich wollte keinen sterbenden Mann von der Seite anstrudeln.
Was hätte dieser Autor noch schaffen können. Uns gehen vermutlich die fünf oder sechs besten Romane der 10er und 20er Jahre durch die Lappen.
Immerhin: Sand wird bleiben, da bin ich mir sicher, und natürlich auch Arbeit und Struktur.
Und jetzt gerade teilt Kathrin Passig auf Facebook mit, dass Wolfgang Herrndorf nicht an Krebs starb: "Er hat sich gestern in den späten Abendstunden am Ufer des Hohenzollernkanals erschossen."
Immerhin ein selbstgewähltes Sterben. Ein letzter Sieg. (Aber es treibt mir noch mehr Tränen in die Augen).
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Montag, 26. August 2013
Die meisten Kritiker - die handvoll, die sich mit meiner Produktion bislang beschäftigte - halten mich ja für einen Günstling des expressionistischen Wandelsterns, und auch viele Kollegen waren der Meinung der Einfluss Gottfried Benns (zum Beispiel) wäre auf mich ein bedeutender gewesen.
Dabei hat mich die surrealistische Dichtung der Franzosen und Tschechen in meiner Jugend, also in einer Zeit, in der ich noch beeinflussbar war, viel mehr fasziniert (wenn ich auch schon mit acht Jahren die Dichtung Georg Trakls gelesen hatte, die mich düster umfasste und mich auf den Weg in die Verwesung schickte).
Kaum ein Gedicht hat sich mir in meinem bisherigen Leben so eingeprägt, wie einige Zeilen von Philippe Soupault:
Sonntag
Das Aeroplan spinnt die Telegraphendrähte
und die Quelle singt das gleiche Lied
Im Lokal der Kutscher ist der Aperitif orangen
doch die Augen der Eisenbahner sind weiß
die Dame hat ihr Lächeln im Wald verloren
Ich fand das Gedicht in der (zumindest seinerzeit) legendären Anthologie "Das Surrealistische Gedicht", die 1985 bei dem Versandhändler Zweitausendeins publiziert wurde, und die ich mir von meinen Eltern Weihnachten 1986 schenken ließ. Dort las ich auch zum ersten Mal Antonin Artaud, dessen Pathos mich fast ins Taumeln brachte. Und Eluards traumdurchsponnenen Oden an Pariser Vormittage und dergleichen.
Das waren die Sachen, die meinem Schreiben eine Richtung gaben (nachdem es zuvor eher der amerikanische Beat gewesen war, Allen Ginsberg, Lawrence Ferlinghetti und Ed Sanders), das sitzt mir bis heute im Mark und beeinflusst meine Art, die Realität wahrzunehmen.
Den Expressionismus hingegen musste ich nicht lernen, der saß mir von Geburt... ach, was, von der Zeugung an in den Zellen.
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Dabei hat mich die surrealistische Dichtung der Franzosen und Tschechen in meiner Jugend, also in einer Zeit, in der ich noch beeinflussbar war, viel mehr fasziniert (wenn ich auch schon mit acht Jahren die Dichtung Georg Trakls gelesen hatte, die mich düster umfasste und mich auf den Weg in die Verwesung schickte).
Kaum ein Gedicht hat sich mir in meinem bisherigen Leben so eingeprägt, wie einige Zeilen von Philippe Soupault:
Sonntag
Das Aeroplan spinnt die Telegraphendrähte
und die Quelle singt das gleiche Lied
Im Lokal der Kutscher ist der Aperitif orangen
doch die Augen der Eisenbahner sind weiß
die Dame hat ihr Lächeln im Wald verloren
Ich fand das Gedicht in der (zumindest seinerzeit) legendären Anthologie "Das Surrealistische Gedicht", die 1985 bei dem Versandhändler Zweitausendeins publiziert wurde, und die ich mir von meinen Eltern Weihnachten 1986 schenken ließ. Dort las ich auch zum ersten Mal Antonin Artaud, dessen Pathos mich fast ins Taumeln brachte. Und Eluards traumdurchsponnenen Oden an Pariser Vormittage und dergleichen.
Das waren die Sachen, die meinem Schreiben eine Richtung gaben (nachdem es zuvor eher der amerikanische Beat gewesen war, Allen Ginsberg, Lawrence Ferlinghetti und Ed Sanders), das sitzt mir bis heute im Mark und beeinflusst meine Art, die Realität wahrzunehmen.
Den Expressionismus hingegen musste ich nicht lernen, der saß mir von Geburt... ach, was, von der Zeugung an in den Zellen.
| Das Surrealistische Gedicht |
Mittwoch, 14. August 2013
Also gut, ich muss es zugeben, ich habe eine Schreibkrise.
Anstatt zumindest Gedichte zu überarbeiten, saß ich am Morgen am Wohnzimmertisch und schrieb einen Wikipedia-Artikel. Über mich.
Schon 2009 hatte irgendwer einen Eintrag über meine Wenigkeit verfasst, aber der wurde umgehend gelöscht. Auf der Diskussionsebene der Plattform hieß es, ich sei ohne ersichtliche Relevanz. Es war ein Hauen und Stechen zwischen den anwesenden Mitgliedern der Wikipedia. Doch die Fraktion, die meinte, ich sei doch durch diverse Buchveröffentlichungen ausreichend ausgezeichnet für einen Eintrag, war nicht zahlreich genug. Und dem Mann, der das gewichtigste Wort führte, war nicht beizubringen, dass die Lyrikedition 2000 kein Zuzahlverlag sei. Er bestand darauf, dass Verlage die Print on Demand betreiben per se Geld von ihren Autoren kassieren würden. Was natürlich nicht den Tatsachen entspricht. Ich versuchte ihm das zu verklickern, aber er war uneinsichtig. Ich sei nicht relevant, als Schriftsteller. Also gab ich klein bei und googelte ein paar Tage später erneut meinen Namen: kein Wikipedia-Eintrag mehr. Schade.
Heute habe ich dann aus Langeweile ein paar Änderungen in verschiedenen Artikeln anderer Dichter vorgenommen. Und weil mir so langweilig war, und weil es mich noch immer ein wenig fuchste, dass ich dort nicht vorkam, und weil mittlerweile auch für den kritischsten Administrator die Relevanzkriterien erfüllt sein sollten, bastelte ich einen Eintrag zusammen und stellte ihn online. Er steht jetzt, um 23 Uhr, noch immer dort, obwohl er schon kontrolliert wurde. Und kein Löschantrag ist verzeichnet.
Der Artikel steht also noch immer da. Und ich freue mich. Ich weiß nicht genau warum, denn ich habe ihn ja selbst geschrieben, also ist er keine besondere Auszeichnung, aber wenn ich die Seite so betrachte, fühle ich mich plötzlich wichtiger als gestern.
Wenn man als Dichter keinen großen Erfolg hat, nimmt die Jagd nach dem Ruhm seltsame Wege. Immerhin konnte ich mich letzten Monat unterstehen, auf einen Brief des deutschen Who is Who zu antworten, in dem man mir einen Lexikon-Artikel zum Sonderpreis von 79 Euro anbot (oder war es noch teurer?).
Die einzige Frage, die mich jetzt noch umtreibt ist: soll ich eine Photographie einpflegen (und muss ich die Photographie vorher streicheln, um sie zu pflegen)? Und wenn ich das mache, soll sie in Sepia sein, oder eher mit dem verhaltenen Silberstich einer Daguerreotypie? Photoshop? Picassa? Verkubisiert von Picasso? - Ich könnte natürlich auch (mehr) Falten unter die Augen einfügen, dann brächte ich nicht gleich im nächsten Jahr den Eintrag zu aktualisieren.
Vielleicht sollte ich mir zudem eine schönere Herkunft zulegen: Sohn des Schwippschwagers des Kaisers von Äthiopien. Studierte altsteinzeitliche Kulte an der Kaldcisc-Universität in Botwarisc. Nahm an der Expedition zur Nilquelle im Jahr 1988 teil. (Seitdem teilweise verschollen). Voß gilt als einer der maßgeblichen Experten in der Bestimmung von Königsstäben der Larifari-Kultur (dazu veröffentlichte er auch das Standardwerk "Majestäten und ihre Taten im Land der Larifari", Heidelberg und Malzahn 1994).
In den Jahren 2001 und 2002 befand sich der Autor auf Astralreise zwischen Nirwana und Hohenschönhausen. Im Anschluss organisierte er das weithin besprochene Treffen Niederer Dämonen in der Literaturwerkstatt Berlin. Dort kam es zu einem Eklat, nachdem Voß einen bekannten Dichter des Saales verwiesen hatte, weil dieser (unangekündigt) ein Gedicht über der Engel Ordnung verlesen wollte.
Voß lebt heute zusammen mit seiner Frau, seinen fünf Sohnen und diversen Murmeltieren auf einem Einödhof in der märkischen Schweiz. (Seine Korrespondenz mit Botho Strauß erscheint 2014 im Verlag der Zwei Sterne).
Ach ja, die Änderungen in den anderen Artikeln: Ann Cotten hat jetzt eine Ausbildung als Tierkonservatorin, Hendrik Jacksons Großvater war ein Weltraumforscher und Björn Kuhligk ist in München geboren worden.
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Anstatt zumindest Gedichte zu überarbeiten, saß ich am Morgen am Wohnzimmertisch und schrieb einen Wikipedia-Artikel. Über mich.
Schon 2009 hatte irgendwer einen Eintrag über meine Wenigkeit verfasst, aber der wurde umgehend gelöscht. Auf der Diskussionsebene der Plattform hieß es, ich sei ohne ersichtliche Relevanz. Es war ein Hauen und Stechen zwischen den anwesenden Mitgliedern der Wikipedia. Doch die Fraktion, die meinte, ich sei doch durch diverse Buchveröffentlichungen ausreichend ausgezeichnet für einen Eintrag, war nicht zahlreich genug. Und dem Mann, der das gewichtigste Wort führte, war nicht beizubringen, dass die Lyrikedition 2000 kein Zuzahlverlag sei. Er bestand darauf, dass Verlage die Print on Demand betreiben per se Geld von ihren Autoren kassieren würden. Was natürlich nicht den Tatsachen entspricht. Ich versuchte ihm das zu verklickern, aber er war uneinsichtig. Ich sei nicht relevant, als Schriftsteller. Also gab ich klein bei und googelte ein paar Tage später erneut meinen Namen: kein Wikipedia-Eintrag mehr. Schade.
Heute habe ich dann aus Langeweile ein paar Änderungen in verschiedenen Artikeln anderer Dichter vorgenommen. Und weil mir so langweilig war, und weil es mich noch immer ein wenig fuchste, dass ich dort nicht vorkam, und weil mittlerweile auch für den kritischsten Administrator die Relevanzkriterien erfüllt sein sollten, bastelte ich einen Eintrag zusammen und stellte ihn online. Er steht jetzt, um 23 Uhr, noch immer dort, obwohl er schon kontrolliert wurde. Und kein Löschantrag ist verzeichnet.
Der Artikel steht also noch immer da. Und ich freue mich. Ich weiß nicht genau warum, denn ich habe ihn ja selbst geschrieben, also ist er keine besondere Auszeichnung, aber wenn ich die Seite so betrachte, fühle ich mich plötzlich wichtiger als gestern.
Wenn man als Dichter keinen großen Erfolg hat, nimmt die Jagd nach dem Ruhm seltsame Wege. Immerhin konnte ich mich letzten Monat unterstehen, auf einen Brief des deutschen Who is Who zu antworten, in dem man mir einen Lexikon-Artikel zum Sonderpreis von 79 Euro anbot (oder war es noch teurer?).
Die einzige Frage, die mich jetzt noch umtreibt ist: soll ich eine Photographie einpflegen (und muss ich die Photographie vorher streicheln, um sie zu pflegen)? Und wenn ich das mache, soll sie in Sepia sein, oder eher mit dem verhaltenen Silberstich einer Daguerreotypie? Photoshop? Picassa? Verkubisiert von Picasso? - Ich könnte natürlich auch (mehr) Falten unter die Augen einfügen, dann brächte ich nicht gleich im nächsten Jahr den Eintrag zu aktualisieren.
Vielleicht sollte ich mir zudem eine schönere Herkunft zulegen: Sohn des Schwippschwagers des Kaisers von Äthiopien. Studierte altsteinzeitliche Kulte an der Kaldcisc-Universität in Botwarisc. Nahm an der Expedition zur Nilquelle im Jahr 1988 teil. (Seitdem teilweise verschollen). Voß gilt als einer der maßgeblichen Experten in der Bestimmung von Königsstäben der Larifari-Kultur (dazu veröffentlichte er auch das Standardwerk "Majestäten und ihre Taten im Land der Larifari", Heidelberg und Malzahn 1994).
In den Jahren 2001 und 2002 befand sich der Autor auf Astralreise zwischen Nirwana und Hohenschönhausen. Im Anschluss organisierte er das weithin besprochene Treffen Niederer Dämonen in der Literaturwerkstatt Berlin. Dort kam es zu einem Eklat, nachdem Voß einen bekannten Dichter des Saales verwiesen hatte, weil dieser (unangekündigt) ein Gedicht über der Engel Ordnung verlesen wollte.
Voß lebt heute zusammen mit seiner Frau, seinen fünf Sohnen und diversen Murmeltieren auf einem Einödhof in der märkischen Schweiz. (Seine Korrespondenz mit Botho Strauß erscheint 2014 im Verlag der Zwei Sterne).
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| Subalterner Stammeshäuptling der Larifari |
Ach ja, die Änderungen in den anderen Artikeln: Ann Cotten hat jetzt eine Ausbildung als Tierkonservatorin, Hendrik Jacksons Großvater war ein Weltraumforscher und Björn Kuhligk ist in München geboren worden.
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Freitag, 9. August 2013
Ich habe einen Streifen mit Tabletten in
der Hemdtasche meines gelben Hemdes, der knistert wenn ich beim
Lesen die Seiten umschlage.
Das Hemd habe ich am frühen Abend
angezogen, weil mir ein Vogel auf mein hellgraues Lieblingshemd
geschissen hatte, als ich (zusammen mit meiner Frau) meinen Sohn vom
Spielplatz abholte.
Dort hatte er mit Freunden ein Blumenbeet
angelegt, im Sandkasten, aus abgerupften Blättern. Mit einem krummen
Stock hatte er auch Unkraut freigelegt und zum Sandkasten getragen:
ein Blumenbeet aus Blättern und Stengeln.
Die Tabletten in dem knisternden
Verpackungsstreifen sind für meinen nervösen Magen, der den Wein
weniger und weniger verträgt mit den Jahren (genau wie es bei meinem
Vater war, dem der Alkohol letzlich die Leber zerfraß und ihm einen
unschönen Tod bereitete – aber was ist schon schön am Sterben?).
Aber mein Kopf verträgt ihn noch gut – versehentlich wollte ich
schreiben: mein Tod verträgt ihn noch gut – am Abend. Am nächsten
Morgen jedoch sind die Nerven porös, und ein rote Flut von Zorn
schwappt durch mein Ich (wie ich es gemeinhin nenne, der Einfachheit
halber), das sich aufteilt zwischen Gehirn und diesem Nervenknoten
neben dem Magen, der zwar nicht denken aber hassen kann.
Man darf mir dann nicht zu nahe kommen,
denn ich bin ein böses Tier. Doch weil ich noch immer aussehe wie
ein bleicher Mittvierziger, und nicht wie ein böses Tier, und weil
kein Gitter ist zwischen mir und der Welt (obwohl das hilfreich
wäre), kommen die Leute heran und sprechen mit mir. Sie halten mir
Stöckchen hin und Blätter, aber mein Magen ist zu nervös, um das
zu essen.
Und ich schaue sie an, die Besucher, und
knurre laut.
Ich fresse meine Magentabletten und bin
voller Missgunst gegen die Welt. Aber die Besucher, sie wollen
einfach nicht verschwinden.
*
Es gefällt mir in den letzten Jahren
immer besser, in der Wohnung zu sitzen, an einem Tisch am Fenster,
und herauszuschauen in den Vormittag. Ich brauche das Außen nicht,
ich muss nicht in den Sommer hinaus gehen, ich sehe es ja von innen.
Ich lege bald meine fetten, bleichen Unterarme auf die Fensterbank
(ein gehäkeltes Kissen darunter) und grüße die Nachbarn mit einem
unverständlichen Brummeln.
Gegenüber steht ein sozialer Wohnblock
aus den späten 20ern, Hausfassaden, wie ich sie aus meiner Kindheit
kenne, mit Schatten getüncht, mit fremden Menschen bepackt. Ich habe
kein großes Interesse an diesen Menschen. Es sind nur Menschen. Sie
werden sterben, auf kurz oder lang. Warum sollte ich Interesse
entwickeln. Ich bin ein unsterblicher Rentner am Nachmittag (oder am
Vormittag), mich tangiert das nicht mehr.
Mir wird es gut gefallen im Altersheim.
Ich möchte ein helles Zimmer haben, das soll leer sein. Nur ein Bett
soll drin stehen, und ein kleiner Schreibtisch mit einem Stuhl. Keine
Bücher werden dort sein, keine Bilder, kein Kram. Ein eBook-Reader
und ein Notizbuch werden mir genügen. Etwas Musik vielleicht, von
einem MP3-Player (in erster Linie Bach und Purcell). Kräutertee und
Schokolade. Ein Blick in die Sonne. Platanen vor den Fenstern. Ab und
an eine Notiz. Und auf der Straße des Nachts der eine oder andere
Verehrer, der meine Gedichte mit heißerer Stimme intoniert.
Ich habe einmal den Kommunarden Langhans
in einer TV-Sendung gesehen. Er saß in seinem Zimmer, und in diesem
weißen Zimmer gab es nichts, außer einer Matratze, einer Handvoll
Bücher und einem Laptop. Das reicht, mehr braucht es nicht. Da will
ich hin.
(Ich muss gleich morgen 2000 Bücher
verschenken).
.
Freitag, 2. August 2013
Ich denke in den letzten Tagen wieder viel über Photographie nach. Wie kann man die Nacht abbilden? Wie kann man von dort aus in die Abstraktion gleiten? Ist es dann noch als Photographie zu erkennen, oder wirkt es wie Computergrafik? Bleibt es reines Kunstgewerbe?
Andererseits kann man in keinem Medium fein strukturierte Oberflächen so gut darstellen, es lassen sich Effekte erzielen, von denen Mark Tobey nur geträumt hätte, kein Bild kann so gut das Rieseln eines Fiebertraums darstellen, das Leuchten einer Opiumnacht:
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Andererseits kann man in keinem Medium fein strukturierte Oberflächen so gut darstellen, es lassen sich Effekte erzielen, von denen Mark Tobey nur geträumt hätte, kein Bild kann so gut das Rieseln eines Fiebertraums darstellen, das Leuchten einer Opiumnacht:
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Dienstag, 30. Juli 2013
Unruhige Nächte. Als wäre der Tod nur eine Gewitterwolke, durch die man hindurch fliegen kann.
Das Auge trinkt Dunkelheit und nimmt Fahrt auf. Atmende Stille vor den Fenstern. Die Jalousien auf Halbmast. Kann man den Traum an langen, grauen Leinen aus sich herausziehen? Ihn als zuckendes Ektoplasma auf den Boden werfen, vor das verflüssigte Bett? Ein Glimmen in der Schwärze, Lichtpunkte, Regen, oder doch nur Wind in den schwarzen, herabhängenden Folien der Nacht, zwischen die kein Taganbruch mehr passt. Diesseits des Ereignishorizonts.
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Das Auge trinkt Dunkelheit und nimmt Fahrt auf. Atmende Stille vor den Fenstern. Die Jalousien auf Halbmast. Kann man den Traum an langen, grauen Leinen aus sich herausziehen? Ihn als zuckendes Ektoplasma auf den Boden werfen, vor das verflüssigte Bett? Ein Glimmen in der Schwärze, Lichtpunkte, Regen, oder doch nur Wind in den schwarzen, herabhängenden Folien der Nacht, zwischen die kein Taganbruch mehr passt. Diesseits des Ereignishorizonts.
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Sonntag, 28. Juli 2013
Elektronenhirn II
Palm m505, du kammst zu mir geflogen mit anklickbarer Tastatur. Du hast ein Farbdisplay und ganze 8 Megabyte RAM. Du bist ein Herkules, du bist zehn Jahre jünger als Psion 3, der mit seinen 512 Kilobyte mühsam und verschlafen denkt. Psalm, du wirst mir die Dioden in den Äuglein leuchten lassen. Blink, blink.
Epson HX-20, dich rufe ich, mit allen acht Winden, die seit der Antike um meinen Kopf wehen. Du bist die Keilschrifttafel der Notebook-Ära. Psion MC 400, dich rufe ich, mir zu gefallen, und mir deinen Schwarzweiß-Bildschirm zu zeigen: 32 Graustufen, 32 shades of grey, sind dir zu eigen. Und zwischen Keyboard und Display enthüllt sich das allererste Trackpad. Wer braucht da noch eine IBM-Maus, wer kann noch Apple ernstnehmen?
Ich erinnere mich: vor meiner Geburt gab es schon Pong und Spacewar! Es flog im MIT ein Raumschiff über einen runden Bildschirm. Es verlor schon ein Professor gegen das erste starke Schachprogramm MacHack, kurz bevor es endlich Richtung Mond ging. Der erste Mensch der dümmer war, als ein simpler Algorhythmus. Oh, Plankalkül des Konrad Zuse, du hast uns die Misere eingebrockt, der Mensch ist kleiner noch als eine zusammengelötete Platine.
Nullen und Einsen, ich erinnere mich, nahmen wir durch, gleich nach dem Einmaleins. In der 5. Klasse, 1980, versuchte uns ein Mathematiklehrer (sein Name ist im Datenfriedhof versickert) die Strukturen zu vermitteln, den binären Code. Er hatte sicherlich noch nie in seinem Leben die Finger auf das Keyboard eines Sinclair ZX 81 gelegt. Er sah nach Adler-Schreibmaschine aus.
Oh, großer Sony Vaio, ich starre jede Nacht auf deinen goldgefüllten Bildschirm. Deine 2 Gigabyte RAM schleudern mich in gänzlich fremde Welten (wir schreiben das Jahr 2013...). In Foren wirbelst du mich, die seit der Antike unbetreten sind. In den dunklen Schlund von allMystery.
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Palm m505, du kammst zu mir geflogen mit anklickbarer Tastatur. Du hast ein Farbdisplay und ganze 8 Megabyte RAM. Du bist ein Herkules, du bist zehn Jahre jünger als Psion 3, der mit seinen 512 Kilobyte mühsam und verschlafen denkt. Psalm, du wirst mir die Dioden in den Äuglein leuchten lassen. Blink, blink.
Epson HX-20, dich rufe ich, mit allen acht Winden, die seit der Antike um meinen Kopf wehen. Du bist die Keilschrifttafel der Notebook-Ära. Psion MC 400, dich rufe ich, mir zu gefallen, und mir deinen Schwarzweiß-Bildschirm zu zeigen: 32 Graustufen, 32 shades of grey, sind dir zu eigen. Und zwischen Keyboard und Display enthüllt sich das allererste Trackpad. Wer braucht da noch eine IBM-Maus, wer kann noch Apple ernstnehmen?
Ich erinnere mich: vor meiner Geburt gab es schon Pong und Spacewar! Es flog im MIT ein Raumschiff über einen runden Bildschirm. Es verlor schon ein Professor gegen das erste starke Schachprogramm MacHack, kurz bevor es endlich Richtung Mond ging. Der erste Mensch der dümmer war, als ein simpler Algorhythmus. Oh, Plankalkül des Konrad Zuse, du hast uns die Misere eingebrockt, der Mensch ist kleiner noch als eine zusammengelötete Platine.
Nullen und Einsen, ich erinnere mich, nahmen wir durch, gleich nach dem Einmaleins. In der 5. Klasse, 1980, versuchte uns ein Mathematiklehrer (sein Name ist im Datenfriedhof versickert) die Strukturen zu vermitteln, den binären Code. Er hatte sicherlich noch nie in seinem Leben die Finger auf das Keyboard eines Sinclair ZX 81 gelegt. Er sah nach Adler-Schreibmaschine aus.
Oh, großer Sony Vaio, ich starre jede Nacht auf deinen goldgefüllten Bildschirm. Deine 2 Gigabyte RAM schleudern mich in gänzlich fremde Welten (wir schreiben das Jahr 2013...). In Foren wirbelst du mich, die seit der Antike unbetreten sind. In den dunklen Schlund von allMystery.
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Samstag, 27. Juli 2013
Elektronenhirn I
Was hätte ich gegeben für einen Sinclair ZX 81, für einen Commodore 64 oder einen Atari mit zehn Kassetten. Doch nicht mal eine Schreibmaschine tackerte ihren Code von Anschlag und Stille in unserer winzig kleinen Wohnung in einem 500 Jahre alten Haus.
Ich drücke mein Ohr an den Sony Vaio VGN und lausche nach dem Klicken der Insektenbeine auf dem Weg von Null zu Eins. Diese Marke hat einen wohlgeformten Klang, seit ich mir in später Kindheit die Earphones eines Walkman TPS-L2 über den Schädel stülpte.
Die Bruderschaft von Psion war unerreichbar, die Mitgliedschaft war viel zu kostspielig. Die frühen Multi-Tasking-Fenster kannte ich nur aus den Schaufenstern von Hertie. Ebenso diesen einen Schachcomputer, silbern, mit dem Greifarm eines Roboters. Er konnte schneller denken als mein Vater, er konnte schneller ziehen als meine Mutter. Er war so ganz und gar nur Null und Eins.
Bei Joe Enderlein gab es Telespiele, drei Konsolen auf dem Altar vor dem Fernsehgerät. Wir steuerten das Raumschiff Zaxxon von Colecovision, hangelten über die tiefen Gruben von Intellivisions Pitfall, versorgten E.T. mit kleinen Keksen, grobgepixelten Atari-Keksen. Und tranken Blue Curacao. Und blätterten in Playboy-Heften, oder klappten mit stillen Gesichtern die Folder in der Penthouse auf.
Die Datenkassette rotierte in der Datasette, und zehn Minuten später war das Turbo-Tape durchgelaufen und der C64 bereit für ein Programm, das dann nur noch eine viertel Stunde laden würde.
Schließlich auf dem Bildschirm: Pacman. Wer hätte je geahnt, dass man dieses Mondgesicht noch dreißig Jahre später sehen würde, in staubigen Reklamen für ein mäßig spaßiges Altersheim?
Als ich noch ein kleines Kind war, hatte mein Großvater einen riesenhaft großen IBM unter einem Staubfang stehen; in seinem Arbeitszimmer ruhte die Kiste ohne Bildschirm und ohne eine Regung. Und niemals dürfte ich sie berühren. Ebensowenig die Canon-Schreibmaschine, die einen Ein-Zeilen-Display hatte und eine Verschalung aus rotem Plastik.
Ich schrieb schon Gedichte; ich war Zwölf und wollte auch so eine Maschine besitzen, so einen futuristischen Traum von Dichtkunst. Ich hätte viel modernere Gedichte geschrieben, hätte ich so eine Canon S-50 besessen. Ich wäre ein Rimbaud des Computer-Zeitalters geworden, hätte ein Elektronenhirn gehabt.
Vor einigen Monaten habe ich mir die Canon-Schreibmaschine bei ebay ersteigert, für acht Euro. Aber mir fehlt das Thermopapier, mir fehlt das Netzteil, mir fehlen die Gedichte, die ich mit Dreizehn geschrieben hätte.
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Was hätte ich gegeben für einen Sinclair ZX 81, für einen Commodore 64 oder einen Atari mit zehn Kassetten. Doch nicht mal eine Schreibmaschine tackerte ihren Code von Anschlag und Stille in unserer winzig kleinen Wohnung in einem 500 Jahre alten Haus.
Ich drücke mein Ohr an den Sony Vaio VGN und lausche nach dem Klicken der Insektenbeine auf dem Weg von Null zu Eins. Diese Marke hat einen wohlgeformten Klang, seit ich mir in später Kindheit die Earphones eines Walkman TPS-L2 über den Schädel stülpte.
Die Bruderschaft von Psion war unerreichbar, die Mitgliedschaft war viel zu kostspielig. Die frühen Multi-Tasking-Fenster kannte ich nur aus den Schaufenstern von Hertie. Ebenso diesen einen Schachcomputer, silbern, mit dem Greifarm eines Roboters. Er konnte schneller denken als mein Vater, er konnte schneller ziehen als meine Mutter. Er war so ganz und gar nur Null und Eins.
Bei Joe Enderlein gab es Telespiele, drei Konsolen auf dem Altar vor dem Fernsehgerät. Wir steuerten das Raumschiff Zaxxon von Colecovision, hangelten über die tiefen Gruben von Intellivisions Pitfall, versorgten E.T. mit kleinen Keksen, grobgepixelten Atari-Keksen. Und tranken Blue Curacao. Und blätterten in Playboy-Heften, oder klappten mit stillen Gesichtern die Folder in der Penthouse auf.
Die Datenkassette rotierte in der Datasette, und zehn Minuten später war das Turbo-Tape durchgelaufen und der C64 bereit für ein Programm, das dann nur noch eine viertel Stunde laden würde.
Schließlich auf dem Bildschirm: Pacman. Wer hätte je geahnt, dass man dieses Mondgesicht noch dreißig Jahre später sehen würde, in staubigen Reklamen für ein mäßig spaßiges Altersheim?
Als ich noch ein kleines Kind war, hatte mein Großvater einen riesenhaft großen IBM unter einem Staubfang stehen; in seinem Arbeitszimmer ruhte die Kiste ohne Bildschirm und ohne eine Regung. Und niemals dürfte ich sie berühren. Ebensowenig die Canon-Schreibmaschine, die einen Ein-Zeilen-Display hatte und eine Verschalung aus rotem Plastik.
Ich schrieb schon Gedichte; ich war Zwölf und wollte auch so eine Maschine besitzen, so einen futuristischen Traum von Dichtkunst. Ich hätte viel modernere Gedichte geschrieben, hätte ich so eine Canon S-50 besessen. Ich wäre ein Rimbaud des Computer-Zeitalters geworden, hätte ein Elektronenhirn gehabt.
Vor einigen Monaten habe ich mir die Canon-Schreibmaschine bei ebay ersteigert, für acht Euro. Aber mir fehlt das Thermopapier, mir fehlt das Netzteil, mir fehlen die Gedichte, die ich mit Dreizehn geschrieben hätte.
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Freitag, 26. Juli 2013
sehet, ein mensch
implantiert mir penfields
stimmungsorgel direkt in meinen kopf
auf dass mein mandelkern
aufjauchzet, glückselig und verwirrt
ein klickender kern ist mein
geisterhaftes, nicht kartiertes wesen
elektrisch bin ich müd gemacht.
ausgeglüht ist all mein blicken
in die große schattenschwere
welt. der himmel über dem vernichtungshaus
liegt als das bleischild
eines gottes, des atlas auf den dächern
und schwalben fliegen an den
lichtreklamen schwer entlang
ihre flügelbleche klappern
hurtig im photonenschweren morgenwind
mir liegt der schlaf der
welt so schwer in meinen dünnen schaltkreisen
das schaf klickt übers dach und
schaut durch dachluken ganz blöd und wild
die androidenschar tanzt in den
gassen. gaukler auf dem letzten jahrmarkt
ihr geist ist mehr wie
kühles wasser, es fließt durch ihre schaltkreise
es gaukelt ihnen weltreise durch
alle mandelkerne, die verbunden sind
ein kontinent heißt angst, ein
meer aus schauern schwappt durch ihre fleisch
bezogenen köpfe, die
pumpmaschinen sind nichts als winzig kleine bomben
ich will sie weder sehen noch
töten. ich will nur fürderhin ein stiller diener sein
der penfieldschen maschine.
ich will im schlaf ertrinken
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Träumen Androiden von elektrischen Schafen?
Mittwoch, 24. Juli 2013
Seit ich Wermut im März abgeschlossen habe, ist kaum noch etwas entstanden. 20 - 25 Gedichte, einige Blogeinträge, ein paar Entwürfe für den neuen Roman.
Eigentlich sollte sich das wie ein Schreibkrise anfühlen, aber zum ersten Mal seit Jahren treibt es mich nicht an den Sekretär. Das liegt vermutlich daran, dass eine Werkphase abgeschlossen ist, die die letzten 15 Jahre umfasst. Schon in den zwei Dutzend Gedichten der letzten vier Monate habe ich versucht, einen neuen Ton zu finden, eine neue Art die Sprache zu (re)konstruieren. Und in dem Roman, der mir bevorsteht, will ich die Worte weiter treiben, als ich dichtender Schäfer es bislang vermocht habe.
Mich fangen die stringent erzählten Geschichten mehr und mehr zu langweilen an, ich muss eine andere Segmentierung des Textes versuchen. Aber wie? Denn eine Geschichte will ich schon erzählen, so etwas wie Oswald Wieners Die Verbesserung von Mitteleuropa würde mir nicht reichen. Wie konstruiert man also ein Textkonvolut, das lose genug ist, um assozativ zu wirken, und verbunden genug, um den potenziellen Leser nicht vor den Kopf zu stoßen?
Probleme der Avantgarde im Dritten Jahrtausend.
Wenn ich mich in der Literatur der letzten 100 Jahre umschaue, denke ich, dass Arno Schmidt einen der interesantesten Ansätze hatte; seine Snapshot-Technik der 50er und frühen 60er Jahre ist ungebrochen fortschrittlich, nur sein Tonfall wirkt mittlerweile etwas staubig.
Robert Anton Wilson hat seine Illuminatus-Bücher auch recht geschickt geschnitten, und Harold Norses Beat Hotel könnte immer noch ein Vorbild sein.
Aber letztendlich ist es doch sehr überraschend, auf wie wenig nichtlineare Romantechniken man zurück greifen kann.
Ich muss also weiter nachdenken und alles aus mir selbst schöpfen. Es ist noch nicht Zeit für den Schreibtisch.
.
Eigentlich sollte sich das wie ein Schreibkrise anfühlen, aber zum ersten Mal seit Jahren treibt es mich nicht an den Sekretär. Das liegt vermutlich daran, dass eine Werkphase abgeschlossen ist, die die letzten 15 Jahre umfasst. Schon in den zwei Dutzend Gedichten der letzten vier Monate habe ich versucht, einen neuen Ton zu finden, eine neue Art die Sprache zu (re)konstruieren. Und in dem Roman, der mir bevorsteht, will ich die Worte weiter treiben, als ich dichtender Schäfer es bislang vermocht habe.
Mich fangen die stringent erzählten Geschichten mehr und mehr zu langweilen an, ich muss eine andere Segmentierung des Textes versuchen. Aber wie? Denn eine Geschichte will ich schon erzählen, so etwas wie Oswald Wieners Die Verbesserung von Mitteleuropa würde mir nicht reichen. Wie konstruiert man also ein Textkonvolut, das lose genug ist, um assozativ zu wirken, und verbunden genug, um den potenziellen Leser nicht vor den Kopf zu stoßen?
Probleme der Avantgarde im Dritten Jahrtausend.
Wenn ich mich in der Literatur der letzten 100 Jahre umschaue, denke ich, dass Arno Schmidt einen der interesantesten Ansätze hatte; seine Snapshot-Technik der 50er und frühen 60er Jahre ist ungebrochen fortschrittlich, nur sein Tonfall wirkt mittlerweile etwas staubig.
Robert Anton Wilson hat seine Illuminatus-Bücher auch recht geschickt geschnitten, und Harold Norses Beat Hotel könnte immer noch ein Vorbild sein.
Aber letztendlich ist es doch sehr überraschend, auf wie wenig nichtlineare Romantechniken man zurück greifen kann.
Ich muss also weiter nachdenken und alles aus mir selbst schöpfen. Es ist noch nicht Zeit für den Schreibtisch.
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Sonntag, 21. Juli 2013
Das Sommerfest der kleinen Verlage im LCB war sommerlich und weinselig. Zuviel Licht, Alkohol, Dichtung. Aber ansonsten ausgesprochen hübsch. Leider lässt der Kopfinhalt am nächsten Morgen doch sehr zu wünschen übrig; ein Gedicht kommt da an diesem Sonntag nicht mehr raus. Stattdesen Tee trinken und Fingernägel kauen.
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| Andrea Schmidt, Dominik Ziller |
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| Jörg Sundermeier |
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| Asmus Trautsch, Richard Duraj |
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| Asmus Trautsch |
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| Richard Duraj |
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| Publikum |
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| Uljana Wolf |
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| Axel Haase, Ulrich Janetzki |
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| Ron Winkler, Daniela Seel |
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| Max Czollek |
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| Aurelie Maurin, Nora Bossong |
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| Tom Bresemann |
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| Georg Leß, Nora Bossong |
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| Jan Valk, Aurelie Maurin |
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| Czollek, Leß, Duraj, Kuhligk |
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| Axel Haase |
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| Nikola Richter |
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| Orsolya Kalász |
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| Mevrouw & Mijnheer de Blank |
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| Ron Winkler |
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| Dominik Ziller |
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| Abend am LCB |
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Tom Bresemann,
Uljana Wolf,
Ulrich Janetzki
Donnerstag, 18. Juli 2013
Ich
bin das Schnitzel.
Gerade habe ich eine alte
Dokumentation über Thomas Brasch gesehen, aus der Reihe Personenbeschreibung von Georg Stefan Troller.
Und die Gedanken
stürmten (ballerten), ein Gewitter von Empfindungen: 1977, da war
ich ein Kind in der späten Nachkriegszeit, und Nikolas Born war ein
paar Jahre zuvor auf dem Bahnhof meiner Geburtsstadt Lüneburg
ausgestiegen, unter einem grauen Himmel, in dem noch die Schatten der
Bomber geschnitten waren. An meinem Geburtstag war er dort, und
schrieb ein Gedicht. Ein ehrliches, ein graues.
Auch Thomas Brasch
lebte in diesem Film in einem Grau. West-Berlin sah erhaben und
zerstört aus, die Fassaden angefressen. Und ich dachte, mit der Nase
dicht am Bildschirm meines internetfähigen Sony Vaio, dass diese
Stadt nun keine Trümmer mehr hat, das alles geheimsnislos geworden
ist in den Gassen und auch Hauptstraßen, dass die Winkel
verschwunden sind, dass die Wohnungen zu vollgestopft wurden, mit
Technik & Büchern (die keiner liest) & Lebensmitteln &
Sterbensmitteln, und alles nur noch ein sonnenbeschienener lichtloser
Ort ist.
Und ich dachte:
müsste ich nicht langsam diese Stadt verlassen, richtung Land,
richtung Vergangenheit – vielleicht in die Slums von Brasilien
ziehen, emigrieren; doch die Slums von Brasilien werden auch schon
gentrifiziert, wie ich am Nachmittag in einer Arztpraxis in einem
alten Spiegelheft las (auch dieses Medium von mittlerer Größe zum
Gossenkern geschrumpft).
Und mir fiel auf,
dass man als Dichter immer kurz rasierte Haare tragen kann, egal
welches Jahrzehnt im Kalender angeschrieben steht. Wie auch die
vielen Erinnerungen angeschrieben stehen, unbezahlt. Der Wirt in der
Zeitkneipe hat den Bierfilz längst zerbröselt.
Ich bin das
Schnitzel, ihr seid die Gäste, doch wer ist heute mein Kellner?
Georg Stefan
Troller ist ein vergessenes Genie, das würde ich in Granit schlagen.
Ich habe niemals so gute Fernsehsendungen wie seine Dokumentationen
gesehen. Mit dieser assozativen Kamereaarbeit, mit diesen Fragen, die
sich beim Sprechen in dem Kopf des Georg Stefan Trollers zu bilden
scheinen, die er noch beim Aussprechen hin und her wendet.
Und wenn ich dann
die Schlusssequenz des Filmes sehe, dieses minutenlange Grübeln des
Thomas Braschs, auf den die Kameralinse schaut, dann weiß ich
wieder, warum ich heute keinen Fernseher mehr habe.
Der nächste
Gedanke ist: warum sind nicht alle seine Dokumentationen im Netz
verfügbar? Warum müssen wir nunmehr verpflichtende Rundfunkgebühren
zahlen, für Mutantenstadel und Hofberichterstattung der Tagesschau;
und so etwas, so etwas Graues und Kräftiges wird uns vorenthalten?
Man könnte auf die Idee kommen, dass sei zu gehirnöffnend für das
gemeine Volk; das Volk dürfte das nicht mehr sehen, es könnte das
Volk der 70er Jahre werden, es könnte wieder auf dumme Gedanken
kommen.
(Und wann endlich
wird Braschs 1000-Seiten-Werk Mädchenmörder
Brunke veröffentlicht?)
Wann habe ich das
letzte Mal das Kürzel DDR ausgesprochen? Irgendwer hier, der dieses
Akronym in den letzten zehn Jahren ausgesprochen hat?
Kaum zu glauben,
dass es noch vor einer Genration einen zweiten deutschen Staat gab.
Und zugleich so erschreckend, dass das schon eine Generation her ist.
Es schreiben jetzt (jetzt, Jetztzeit, Gegenwart, schwere Verstörung
im Sonnenschein) Dichter Gedichte, die erst nach der Wende geboren
wurden. Bald ist der Mauerfall so lange vergangen, wie der Zweite
Weltkrieg zum Zeitpunkt meiner Geburt.
Damals
Nachkriegszeit, heute Vorkriegszeit. Ich bin das Schnitzel. Im
Zeitalter des neuen Wilhelmnismus. Aber geraucht wird nicht mehr, und
alles ist in Farbe. 32 Bit. Ich will, dass das alles verschwindet.
Und ich will kurze Haare haben. Grau. Fade out. Black.
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Freitag, 12. Juli 2013
Ah, also doch, Kehlmann kann schreiben.
Nachdem ich mich bis an das Ende des Buchs Der fernste Ort gehangelt hatte, und von dem Schluss nicht einmal gelangweilt war, nahm ich mir auf Empfehlung zweier Freunde den Roman Ich und Kaminski vor.
Und plötzlich schaffte Kehlmann das, was ihm bei seiner früheren Novelle nicht gelang: er konnte mich unterhalten, er brachte mich zum Lachen. Denn hier war er offensichtlich in seinem Metier, dessen Stärke nicht die Innensicht oder die stilistische Raffinesse ist, sondern die Geschichte als solches - die mir in Der fernste Ort größtenteils fehlte. Dort schickte er einen langweiligen Protagonisten auf die Flucht, initiiert durch einen inszenierten Badeunfall, der sich gegen Ende eben nicht als inszeniert sondern real erfahren heraustellt; was keine sonderliche Überraschung war, dem Text aber doch eine gewisse Überhöhung gab, die das letzte Viertel des Buchs zum stärksten Abschnitt machte. Den Tod als Winterreise darzustellen ist zwar wenig orginell, aber Kelhmann bringt es zumindest fertig eine Stimmung des Jenseitigen zu erzeugen. Daher war ich mit Der fernste Ort fast schon versöhnt, auch wenn es letztlich kein gutes Buch ist.
Aber es hinderte mich zumindest nicht, ein weiteres in Angriff zu nehmen: Ich und Kaminski. Und das ist gut konstruiert und rasant erzählt, auch wenn der Schluss ein bisschen mager ausfällt: Der Erzähler geht ins Weite, in die leere Zukunft. Gar nicht so unähnlich, wie in der Novelle zuvor.
Ein großer Stilist scheint mir Kelhmann nach wie vor nicht zu sein, aber immerhin langweilt er mich nicht mehr, und ich muss die FLAK auf meinem Elfenbeinturm nicht neuerlich auf das deutsche Feuilleton richten, ob seiner Einfältigkeit.
Zwischendrin dann noch das erste Drittel von Don Delillos Cosmopolis (nebst zweier anderer Bücher, die ich hier nicht besprechen möchte). Der Hype um Delillo ist mir ebenfalls unverständlich geblieben. Ich habe in den letzten Jahren immer mal wieder einen Roman von ihm angefangen, und bin kaum über die ersten fünfzig Seiten hinaus gekommen. Das mag alles gut geschrieben sein, aber mitreißen will mich das nicht.
In Cosmopolis z.B. wird ein kleines Thema ausgewalzt - die Bezuglosigkeit des modernen Finanztykoons in seiner kühlen Welt - aber vor allem die (textbestimmenden) Dialoge tragen nicht; so ungewöhnlich sie in ihrer Art in einem literarischen Zusammenhang sind, sie nutzen sich schnell ab. Und mehr hat der Text nicht zu bieten. Auch hier fehlt wieder die Innensicht, die Reflektion. So bleibt eine oberflächliche Welt nur oberflächlich dargestellt.
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Nachdem ich mich bis an das Ende des Buchs Der fernste Ort gehangelt hatte, und von dem Schluss nicht einmal gelangweilt war, nahm ich mir auf Empfehlung zweier Freunde den Roman Ich und Kaminski vor.
Und plötzlich schaffte Kehlmann das, was ihm bei seiner früheren Novelle nicht gelang: er konnte mich unterhalten, er brachte mich zum Lachen. Denn hier war er offensichtlich in seinem Metier, dessen Stärke nicht die Innensicht oder die stilistische Raffinesse ist, sondern die Geschichte als solches - die mir in Der fernste Ort größtenteils fehlte. Dort schickte er einen langweiligen Protagonisten auf die Flucht, initiiert durch einen inszenierten Badeunfall, der sich gegen Ende eben nicht als inszeniert sondern real erfahren heraustellt; was keine sonderliche Überraschung war, dem Text aber doch eine gewisse Überhöhung gab, die das letzte Viertel des Buchs zum stärksten Abschnitt machte. Den Tod als Winterreise darzustellen ist zwar wenig orginell, aber Kelhmann bringt es zumindest fertig eine Stimmung des Jenseitigen zu erzeugen. Daher war ich mit Der fernste Ort fast schon versöhnt, auch wenn es letztlich kein gutes Buch ist.
Aber es hinderte mich zumindest nicht, ein weiteres in Angriff zu nehmen: Ich und Kaminski. Und das ist gut konstruiert und rasant erzählt, auch wenn der Schluss ein bisschen mager ausfällt: Der Erzähler geht ins Weite, in die leere Zukunft. Gar nicht so unähnlich, wie in der Novelle zuvor.
Ein großer Stilist scheint mir Kelhmann nach wie vor nicht zu sein, aber immerhin langweilt er mich nicht mehr, und ich muss die FLAK auf meinem Elfenbeinturm nicht neuerlich auf das deutsche Feuilleton richten, ob seiner Einfältigkeit.
Zwischendrin dann noch das erste Drittel von Don Delillos Cosmopolis (nebst zweier anderer Bücher, die ich hier nicht besprechen möchte). Der Hype um Delillo ist mir ebenfalls unverständlich geblieben. Ich habe in den letzten Jahren immer mal wieder einen Roman von ihm angefangen, und bin kaum über die ersten fünfzig Seiten hinaus gekommen. Das mag alles gut geschrieben sein, aber mitreißen will mich das nicht.
In Cosmopolis z.B. wird ein kleines Thema ausgewalzt - die Bezuglosigkeit des modernen Finanztykoons in seiner kühlen Welt - aber vor allem die (textbestimmenden) Dialoge tragen nicht; so ungewöhnlich sie in ihrer Art in einem literarischen Zusammenhang sind, sie nutzen sich schnell ab. Und mehr hat der Text nicht zu bieten. Auch hier fehlt wieder die Innensicht, die Reflektion. So bleibt eine oberflächliche Welt nur oberflächlich dargestellt.
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Montag, 8. Juli 2013
Wie kann man nur so langweilig über langweilige Figuren schreiben?
Seit ich in den letzten Tagen zum ersten Mal Daniel Kehlmann gelesen habe, weiß ich erst David Wagner richtig zu schätzen. Hätte ich Leben nach Der fernste Ort gekauft, hätte ich den Roman von Wagner vermutlich für großartig gehalten. Alles ist relativ, selbstverständlich ist es das.
Mein erstes Date mit Kehlmann also, und ich bin gelangweilt. Kein Charme, kein Esprit. Seine Novelle, die als sein viertes Buch 2001 bei Suhrkamp publiziert wurde, ist kurz und zäh, so dass ich, obwohl ich schon achtzig Prozent des Textes gelesen habe, kurz vorm Aufgeben bin.
Möglicherweise ist das sein schlechtestes Buch, aber einen guten Schriftsteller könnte man ja auch mit seiner trübsten Arbeit ertragen. Es ist unfassbar, aber Der fernste Ort erhebt sich stilistisch streckenweise kaum über einen ambitionierten Oberschüler-Aufsatz hinaus. Banal und voller Clichés wird folgerichtig eine Schule beschrieben: Er stieg aus und blickte an der Fassade der Schule hinauf. Ihre vom Regen schwarzen Mauern, die schwer zu bewegende Eingangstür, die Kunststoffböden und der Geruch nach Pullovern und Reinigungsmitteln.
Mein Lektor würde mir solche Passagen erbarmungslos streichen. Hätte das aber sein Lektor getan, wäre die Novelle auf die Hälfte zusammengeschnurt.
Auch Emotionen beschreibt Herr Kehlmann sehr präzise und fern jeder Trivialität: Sein Mund war ausgetrocknet, in seinem Magen hing ein bohrend flaues Gefühl; auf einmal wollte er so sehr nach Hause, dass ihm Tränen in die Augen traten.
Das hat kaum mehr Niveau, als ein Groschenroman. Wie kann man mit so etwas dermaßen mediokren dermaßen bekannt werden, so hochgelobt, geehrt mit mehr als einem Dutzend Auszeichungen? Doch vieleicht, vielleicht ist das ja wirklich sein schlechtestes Buch.
Und die Stilblüten, die kann er, die macht er ganz grandiös: Die Möbel zeichneten sich als scharf umrissene Schemen ab.
Entschuldigen Sie, lieber Autor, liebster Lektor: entweder scharf umrissen oder schemenhaft. Das muss einem doch auffallen.
Aber was wird hier eigentlich erzählt? - Ein langweiliger Mann namens Julian versucht seinem Leben zu entfliehen, täuscht einen Badeunfall vor, trifft per Zufall seinen etwas verschrobenen Bruder (der einzigen halbwegs interessanten Gestalt des Textes)... und weiter bin ich noch nicht vorgedrungen. Achtzig Prozent des Buches.
Unelegant unterfüttert wird das mit der Erinnerung des Protagonisten, die ihn zu einer anderen Flucht zurückführt, die aber ebenso uninteressant ist.
Zwischendurch hat dieser Julian das Gefühl, sein Ich würde sich auflösen; und was nimmt der Autor hierfür zur Veranschaulichung, na? Na? - Spiegel! Spiegelbilder, spiegelnde Flächen, Ich-Verlust. Grundgütiger!
Ich habe bislang einen Bogen um das Werk Kehlmanns gemacht, weil ich nie das Gefühl losgeworden bin, dass er zu Unrecht vom Feuilleton hochgeschrieben wurde. Das stimmt anscheinend. Aber ich werde seinem Werk noch eine Chance geben. Nachdem ich mich durch Der fernste Ort gequält haben werde, nehme ich mir Ruhm vor, seinen neusten Roman. Es kann ja sein, dass er in den letzten zehn Jahren zu einem 1a-Schriftsteller herangewachsen ist.
Andernfalls werde ich nicht zum ersten Mal am deutschen Feuilleton verzweifeln.
Erfreulicher als die Misere des Kehlmanschen Oevres, ist mein neustes Spielzeug. Gestern habe ich mir einen Palm m505 nebst zusammenklappbarer Tastatur bei ebay ersteigert. Ich war in den letzten Tagen auf der Suche nach einer geeigneten Hülle für meinen 4-Zoll-eBook-Reader, und stieß so auf das Zubehör für den legendären PDA. Und musste feststellen, dass der Preisverfall von Computern jedwelcher Art erschreckend ist. 2001 wurde der Palm m505 für 1200 DM auf den Markt gebracht, nunmehr bekommt man ihn mit einem Konvulut Zubehör (das sicher auch nicht ganz billig gewesen ist) für schlappe 8 Euro in der elektronischen Bucht.
Vor zehn Jahren noch ein für mich unbezahlbares Manager-Gadget, jetzt schon Elektroschrott, wenn nicht gar Sondermüll - ein älteres Modell mit S/W-Bildschirm erhält man zum Grundgebot von einem Euro.
Jetzt habe ich also eine "Schreibmaschine" für unterwegs, die kaum mehr als 350 Gramm wiegt und in meine Jackettasche passt.
Und ich bin sehr gespannt, ob der Palm meinen Kindle erkennen kann, dann hätte ich nämlich ein portables Büro, das kein Pfund wiegt.
Ich werde in den Kaffehäusern sitzen, meinen Palm mit angeklemmter Tastatur auf der Resopalplatte, und ich werde aussehen wie ein Penner-Manager.
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Seit ich in den letzten Tagen zum ersten Mal Daniel Kehlmann gelesen habe, weiß ich erst David Wagner richtig zu schätzen. Hätte ich Leben nach Der fernste Ort gekauft, hätte ich den Roman von Wagner vermutlich für großartig gehalten. Alles ist relativ, selbstverständlich ist es das.
Mein erstes Date mit Kehlmann also, und ich bin gelangweilt. Kein Charme, kein Esprit. Seine Novelle, die als sein viertes Buch 2001 bei Suhrkamp publiziert wurde, ist kurz und zäh, so dass ich, obwohl ich schon achtzig Prozent des Textes gelesen habe, kurz vorm Aufgeben bin.
Möglicherweise ist das sein schlechtestes Buch, aber einen guten Schriftsteller könnte man ja auch mit seiner trübsten Arbeit ertragen. Es ist unfassbar, aber Der fernste Ort erhebt sich stilistisch streckenweise kaum über einen ambitionierten Oberschüler-Aufsatz hinaus. Banal und voller Clichés wird folgerichtig eine Schule beschrieben: Er stieg aus und blickte an der Fassade der Schule hinauf. Ihre vom Regen schwarzen Mauern, die schwer zu bewegende Eingangstür, die Kunststoffböden und der Geruch nach Pullovern und Reinigungsmitteln.
Mein Lektor würde mir solche Passagen erbarmungslos streichen. Hätte das aber sein Lektor getan, wäre die Novelle auf die Hälfte zusammengeschnurt.
Auch Emotionen beschreibt Herr Kehlmann sehr präzise und fern jeder Trivialität: Sein Mund war ausgetrocknet, in seinem Magen hing ein bohrend flaues Gefühl; auf einmal wollte er so sehr nach Hause, dass ihm Tränen in die Augen traten.
Das hat kaum mehr Niveau, als ein Groschenroman. Wie kann man mit so etwas dermaßen mediokren dermaßen bekannt werden, so hochgelobt, geehrt mit mehr als einem Dutzend Auszeichungen? Doch vieleicht, vielleicht ist das ja wirklich sein schlechtestes Buch.
Und die Stilblüten, die kann er, die macht er ganz grandiös: Die Möbel zeichneten sich als scharf umrissene Schemen ab.
Entschuldigen Sie, lieber Autor, liebster Lektor: entweder scharf umrissen oder schemenhaft. Das muss einem doch auffallen.
Aber was wird hier eigentlich erzählt? - Ein langweiliger Mann namens Julian versucht seinem Leben zu entfliehen, täuscht einen Badeunfall vor, trifft per Zufall seinen etwas verschrobenen Bruder (der einzigen halbwegs interessanten Gestalt des Textes)... und weiter bin ich noch nicht vorgedrungen. Achtzig Prozent des Buches.
Unelegant unterfüttert wird das mit der Erinnerung des Protagonisten, die ihn zu einer anderen Flucht zurückführt, die aber ebenso uninteressant ist.
Zwischendurch hat dieser Julian das Gefühl, sein Ich würde sich auflösen; und was nimmt der Autor hierfür zur Veranschaulichung, na? Na? - Spiegel! Spiegelbilder, spiegelnde Flächen, Ich-Verlust. Grundgütiger!
Ich habe bislang einen Bogen um das Werk Kehlmanns gemacht, weil ich nie das Gefühl losgeworden bin, dass er zu Unrecht vom Feuilleton hochgeschrieben wurde. Das stimmt anscheinend. Aber ich werde seinem Werk noch eine Chance geben. Nachdem ich mich durch Der fernste Ort gequält haben werde, nehme ich mir Ruhm vor, seinen neusten Roman. Es kann ja sein, dass er in den letzten zehn Jahren zu einem 1a-Schriftsteller herangewachsen ist.
Andernfalls werde ich nicht zum ersten Mal am deutschen Feuilleton verzweifeln.
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Erfreulicher als die Misere des Kehlmanschen Oevres, ist mein neustes Spielzeug. Gestern habe ich mir einen Palm m505 nebst zusammenklappbarer Tastatur bei ebay ersteigert. Ich war in den letzten Tagen auf der Suche nach einer geeigneten Hülle für meinen 4-Zoll-eBook-Reader, und stieß so auf das Zubehör für den legendären PDA. Und musste feststellen, dass der Preisverfall von Computern jedwelcher Art erschreckend ist. 2001 wurde der Palm m505 für 1200 DM auf den Markt gebracht, nunmehr bekommt man ihn mit einem Konvulut Zubehör (das sicher auch nicht ganz billig gewesen ist) für schlappe 8 Euro in der elektronischen Bucht.
Vor zehn Jahren noch ein für mich unbezahlbares Manager-Gadget, jetzt schon Elektroschrott, wenn nicht gar Sondermüll - ein älteres Modell mit S/W-Bildschirm erhält man zum Grundgebot von einem Euro.
Jetzt habe ich also eine "Schreibmaschine" für unterwegs, die kaum mehr als 350 Gramm wiegt und in meine Jackettasche passt.
Und ich bin sehr gespannt, ob der Palm meinen Kindle erkennen kann, dann hätte ich nämlich ein portables Büro, das kein Pfund wiegt.
Ich werde in den Kaffehäusern sitzen, meinen Palm mit angeklemmter Tastatur auf der Resopalplatte, und ich werde aussehen wie ein Penner-Manager.
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| Palm m505 mit Keyboard |
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Dienstag, 2. Juli 2013
Letzte Woche Sand von Herrndorf gelesen. Bester Roman der letzten zehn Jahre. Allein schon der Anfang, dieses äußere und innere Panorama, das sich da auftut. Und die Figur der Helen Gliese (der Name der Sterne in Skorpion und Waage), selten eine so gute Charakterisierung in einem zeitgenössischen Roman gelesen. Darüber hinaus bin ich mir allerdings unsicher, ob Cetrois und Polidorio die selbe Person ist. Wäre dramaturgisch naheliegend. Aber ich glaube mich zu erinnern, dass Cetrois an der Auffahrt der Villa vorbei taumelt, in der zur gleichen Zeit Polidorio den blasierten Schriftsteller besucht.
Vermutlich ist der karierte Anzug des Rätsels Lösung. Ich muss den Roman in diesem Sommer ein zweites Mal lesen.
Was mich erneut verunsichert hat, war die so plastische Beschreibung der Wüste. Natürlich war sie plastisch, Herrndorf war ja im vorletzten Jahr dort. Die Verunsicherung betrifft auch nur mich selbst, denn in meinem nächsten Roman (mit dessen Entwürfen ich mich gerade beschäftige) wird die Wüste (Nevadas) eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Blöd nur, dass die einzigen Dünen, die ich jemals gesehen habe, bei Scheveningen an der Nordsee liegen. Ich hoffe, ich werde es besser als Karl May hinbekommen.
Seit gestern Morgen dann zum dritten Mal Arbeit und Struktur in einem Rutsch gelesen. Neben Sand sein bestes Werk, wie ich finde. Noch selten einen derart eindringlichen Text gelesen. Nun warte ich auf seine letzten Einträge die, befürchte ich, bald erscheinen werden.
Parallel dazu Leben von David Wagner. Natürlich lange nicht so gut und tiefsinnig, es fehlen in dem Buch die Reflektionen, das Innenleben; aber als eigenständiger Text gar nicht mal schlecht. Ich habe es jedenfalls bis zum Ende gelesen, und mich nicht darüber geärgert, dass Wagner dafür den Preis der Leipziger Buchmesse bekommen hat. Interessant auch, dass wie in unserer Jugend offensichtlich partiell den gleichen Musikgeschmack hatten: Joy Division, The Cure, Souixsie and the Banshees. Hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Hätte bei ihm eher auf Duran Duran, maximal auf Depeche Mode getippt.
Vermutlich sollte ich Leben erneut lesen, wenn Herrndorfs Blog in meinem Kopf wieder etwas verblasst ist. Vermutlich ist das in Wirklichkeit ein gutes Buch.
Mittlerweile natürlich in einer reichlich morbiden Stimmung (noch morbider als sowieso schon immer). Stehe alle halbe Stunde auf dem Balkon in der Sonne, rauche Camel Filter (Marke meines verstorbenen Vaters) oder West (Marke meiner verstorbenen Mutter) und sinniere über den eigenen Tod. Momento Mori. Auch nichts Neues.
Ansonsten ein paar Gedichte geschrieben und über den Roman nachgedacht, den ich wahnsinnig gerne Licht & Blindheit nennen würde. Geht natürlich nicht.
Immerhin ist mir gestern im Halbschlaf eingefallen, wie ich das Motivationsproblem der zentralen Figur lösen kann: mit dem Angebot, ihr einen Computerchip ins Gehirn zu verpflanzen.
Sehr unsicher bin ich mir aber noch über die Struktur des Ganzen. Soll ich mit Spannungsbogen und Plotpoint arbeiten (so wie bedingt im letzten Manuskript - Wermut), oder bastle ich ein riesiges Gestrüpp verschiedener Segmente aus Zeit und Raum zusammen? Und wie behandle ich die wörtliche Rede im frühen 18ten Jhdt, euro Gnaden?
Vermutlich ist der karierte Anzug des Rätsels Lösung. Ich muss den Roman in diesem Sommer ein zweites Mal lesen.
Was mich erneut verunsichert hat, war die so plastische Beschreibung der Wüste. Natürlich war sie plastisch, Herrndorf war ja im vorletzten Jahr dort. Die Verunsicherung betrifft auch nur mich selbst, denn in meinem nächsten Roman (mit dessen Entwürfen ich mich gerade beschäftige) wird die Wüste (Nevadas) eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Blöd nur, dass die einzigen Dünen, die ich jemals gesehen habe, bei Scheveningen an der Nordsee liegen. Ich hoffe, ich werde es besser als Karl May hinbekommen.
Seit gestern Morgen dann zum dritten Mal Arbeit und Struktur in einem Rutsch gelesen. Neben Sand sein bestes Werk, wie ich finde. Noch selten einen derart eindringlichen Text gelesen. Nun warte ich auf seine letzten Einträge die, befürchte ich, bald erscheinen werden.
Parallel dazu Leben von David Wagner. Natürlich lange nicht so gut und tiefsinnig, es fehlen in dem Buch die Reflektionen, das Innenleben; aber als eigenständiger Text gar nicht mal schlecht. Ich habe es jedenfalls bis zum Ende gelesen, und mich nicht darüber geärgert, dass Wagner dafür den Preis der Leipziger Buchmesse bekommen hat. Interessant auch, dass wie in unserer Jugend offensichtlich partiell den gleichen Musikgeschmack hatten: Joy Division, The Cure, Souixsie and the Banshees. Hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Hätte bei ihm eher auf Duran Duran, maximal auf Depeche Mode getippt.
Vermutlich sollte ich Leben erneut lesen, wenn Herrndorfs Blog in meinem Kopf wieder etwas verblasst ist. Vermutlich ist das in Wirklichkeit ein gutes Buch.
Mittlerweile natürlich in einer reichlich morbiden Stimmung (noch morbider als sowieso schon immer). Stehe alle halbe Stunde auf dem Balkon in der Sonne, rauche Camel Filter (Marke meines verstorbenen Vaters) oder West (Marke meiner verstorbenen Mutter) und sinniere über den eigenen Tod. Momento Mori. Auch nichts Neues.
Ansonsten ein paar Gedichte geschrieben und über den Roman nachgedacht, den ich wahnsinnig gerne Licht & Blindheit nennen würde. Geht natürlich nicht.
Immerhin ist mir gestern im Halbschlaf eingefallen, wie ich das Motivationsproblem der zentralen Figur lösen kann: mit dem Angebot, ihr einen Computerchip ins Gehirn zu verpflanzen.
Sehr unsicher bin ich mir aber noch über die Struktur des Ganzen. Soll ich mit Spannungsbogen und Plotpoint arbeiten (so wie bedingt im letzten Manuskript - Wermut), oder bastle ich ein riesiges Gestrüpp verschiedener Segmente aus Zeit und Raum zusammen? Und wie behandle ich die wörtliche Rede im frühen 18ten Jhdt, euro Gnaden?
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In den letzten
Wochen immer wieder mal über den Bachmann-Preis nachgedacht. Zum dem
Schluß gekommen: seit sicher zehn Jahren unnötige Veranstaltung.
TV
ist eh scheiße. Und wären endlich alle Literaturverwurstungsshows
im TV verwurstet und runtergespült, wäre der Bachmann-Preis
Geschichte, ebenso wie alles was zum Beispiel Thea Dorn verbricht bis
zum Erbrechen, dann würde vielleicht, vielleicht die wirklich
relevante Literatur unserer Generation wahrgenommen werden.
Urteil
natürlich schwer getrübt durch die Kränkung, trotz zweimaligem
Bewerbs dort nicht eingeladen worden zu sein.
Immerhin
haben sie vor Jahren Herrndorf zum Tanz aufgefordert, wenn er am Ende
des Abends auch nicht das Blumenbuket zugeworfen bekam.
Von
Kränkungen gesprochen: seit der Umsonst-Aktion auf Amazon hat sich
die eBook-Ausgabe von Bitterstoffe kein einziges Mal verkauft.
Kein einziges Exemplar. Völliges Scheitern. Und die Fahnen hängen
schlapp in der absoluten Windstille.
Aber:
mein vierter Gedichtband wird im Oktober erscheinen. Cover und Klappe
sind schon fertig (Lektorat steht noch aus, was mich ein bisschen
unruhig macht):
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Labels:
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Wermut,
Wolfgang Herrndorf,
Wüste
Montag, 17. Juni 2013
Der Lyrikmarkt des Poesiefestivals am Samstag war ein Fest. Alle Dichter & Dichterinnen Berlins schwankten im Laufe des Tages und frühen Abends an den Ständen vorbei, ließen sich Bierflaschen von Johannes Frank reichen und von Stephan Reich die Gedichtbände frankieren.
Der Abend danach war lau und blau. Der Himmel übermäßig groß. Die Bettstatt weit entfernt, das nächste Glas Wein in unmittelbarer Nähe.
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Der Abend danach war lau und blau. Der Himmel übermäßig groß. Die Bettstatt weit entfernt, das nächste Glas Wein in unmittelbarer Nähe.
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| Aurelie Maurin, Alexander Filyuta |
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| Boris Preckwitz |
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| Dominik Ziller, Johannes Frank |
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| Th. Wohlfahrt, Martin Piekar |
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| Tom Schulz, Marion Poschmann, Klaus Thies |
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| Martin Piekar, Tom Schulz |
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| Klaus Thies, Johannes Frank, Peter Geist |
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| Daniela Seel |
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| Stephan Reich, Jan Skudlarek |
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| Carsten Zimmermann |
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| Ron Winkler |
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| Tom Schulz |
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| Klaus Thies |
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| Stephan Reich |
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| Peggy Neidel |
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| Monika Rinck, Aurelie Maurin |
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Poesiefestival 2013
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