Montag, 26. August 2013

Die meisten Kritiker - die handvoll, die sich mit meiner Produktion bislang beschäftigte - halten mich ja für einen Günstling des expressionistischen Wandelsterns, und auch viele Kollegen waren der Meinung der Einfluss Gottfried Benns (zum Beispiel) wäre auf mich ein bedeutender gewesen.
Dabei hat mich die surrealistische Dichtung der Franzosen und Tschechen in meiner Jugend, also in einer Zeit, in der ich noch beeinflussbar war, viel mehr fasziniert (wenn ich auch schon mit acht Jahren die Dichtung Georg Trakls gelesen hatte, die mich düster umfasste und mich auf den Weg in die Verwesung schickte).
Kaum ein Gedicht hat sich mir in meinem bisherigen Leben so eingeprägt, wie einige Zeilen von Philippe Soupault:

Sonntag

Das Aeroplan spinnt die Telegraphendrähte
und die Quelle singt das gleiche Lied
Im Lokal der Kutscher ist der Aperitif orangen
doch die Augen der Eisenbahner sind weiß
die Dame hat ihr Lächeln im Wald verloren

 Ich fand das Gedicht in der (zumindest seinerzeit) legendären Anthologie "Das Surrealistische Gedicht", die 1985 bei dem Versandhändler Zweitausendeins publiziert wurde, und die ich mir von meinen Eltern Weihnachten 1986 schenken ließ. Dort las ich auch zum ersten Mal Antonin Artaud, dessen Pathos mich fast ins Taumeln brachte. Und Eluards traumdurchsponnenen Oden an Pariser Vormittage und dergleichen.
Das waren die Sachen, die meinem Schreiben eine Richtung gaben (nachdem es zuvor eher der amerikanische Beat gewesen war, Allen Ginsberg, Lawrence Ferlinghetti und Ed Sanders), das sitzt mir bis heute im Mark und beeinflusst meine Art, die Realität wahrzunehmen.
Den Expressionismus hingegen musste ich nicht lernen, der saß mir von Geburt... ach, was, von der Zeugung an in den Zellen.


Das Surrealistische Gedicht
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Kommentare:

  1. Werk müssen Sie schreiben, wie können Sie es wagen, so schlecht über ihr eigenes Werk zu schreiben, ihr Werk ist doch der Teil aller größtmöglichen Werke und dass es nicht in dem Sinne verdeutlicht und veröffentlicht wird liegt nur an diesem Mainstream, diesem verdammten :-)

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  2. warum? es ist eine quasiliteratur und sie ist quasi veröffentlicht. nicht ungemäß.

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