Donnerstag, 10. Januar 2013

Jetzt beginnt also das große Abenteuer.
Ich habe mehr als ein halbes Jahr den Ebook-Markt ziemlich genau beobachtet, Amazon-Ränge verglichen, nicht vorhandene Werbekonzepte analysiert, viele, viele Bücher auf mein Kindle geladen (fast alle waren kostenlos, und auch das gehört zu den fraglichen Werbekonzepten), und ich bin jetzt zu einem Schluss gekommen: nur Genreliteratur verkauft sich bislang gut im virtuellen Raum, Thriller schlagen ein wie Bomben, und angenagte Untote haben einen hervorragenden Lauf, aber die sogenannte gehobene Belletristik hat auf diesem Marktplatz nichts zu melden. Und deswegen wird es ein Abenteuer werden, wenn ich nicht nur ein, nein, zwei Ebooks auf diesen Markt werfe.
Vor einigen Wochen habe ich bei Rotbuch um die Rechte für eine Ebook-Ausgabe meines ersten Romans gebeten, und der Verlag hat sie mir ohne Murren eingeräumt, vermutlich aus dem Grund, weil man sich dort auch kein Geschäft in dieser Sparte erhofft, vor allem nicht mit diesem schnell verschiedenen Roman, den ich dort 2009 publiziert habe.
Also habe ich mich an mein Notebook gesetzt und erst einmal ein neues Titelbild zusammen gebastelt (mit der Collage-Funktion von Picassa), denn jenes der Printausgabe gehört natürlich dem Rotbuch-Verlag. Zudem hat es mir nie so recht gefallen. Mein Ergebnis konnte man schon im letzten Blogeintrag begutachten. Und weil ich es so schön finde (allein diese grellen Farben), zeige ich es hier noch einmal:

Bitterstoffe, Ebook

Die Printausgabe sah im Vergleich dazu ein bisschen unkonkret aus, ein bisschen so lala:

Bitterstoffe, Print

Das Manuskript ist von mir erneut lektoriert und korrigiert worden, und beim Lesen musste ich mich gar nicht mal gruseln, was mich überrascht hat, denn den Text habe ich vor knapp zehn Jahren abgeschlossen. – Auch dies ein deutlicher Vorteil des Ebooks: der Roman (Bitterstoffe) hat von der Fertigstellung bis zum Druck rund sechs Jahre bei Agenturen und in Lektoraten gelegen, bis er dann endlich in die Freiheit entlassen wurde. Beim Ebook hingegen liegen zwischen Entschluss und Verwirklichung nur einige Monate. Im Konkreten heißt das: ich habe hier einen weiteren Roman rumliegen, der in kein Verlagsprogramm passt (selbst mein derzeitiger Verleger stöhnt ob meines Fleißes, und bittet mich, nicht alle acht Monate einen neuen Roman vorzulegen, er wäre leider nicht König Ubu), und diesen Roman, der eine Art von zweiter Teil zu Bitterstoffe ist, werde ich zeitgleich auf der Amazon-Selfpublishing-Platform herausgeben.
Das ist ein gefährliches Spiel. Meine Hoffnung ist, dass sich die zwei Bücher gegenseitig nach oben treiben werden, aber die realistischere Variante wird sein, dass sie absaufen werden wie Bücher von Anselm Kiefer. Das könnte meinem Ruf als ernsthafter Literat schaden (welchem Ruf?), andererseits könnte es meinem Ruf auch schon schaden, wenn ich die Romane überhaupt als Ebook herausbringe. Denn soweit ich das überblicke, traut sich bislang niemand, weil es noch einen Ruch hat (la mauvaise reputation). Keiner der Kollegen stellt einen Roman von sich bei Amazon ein, nur ein paar Kurzgeschichten dümpeln als Testballone in den unteren Schichten der Bestseller-Atmosphäre. Ich spreche natürlich nur von der gehobenen Belletristik (oder Geleetristik) – und man möge mich nicht missverstehen: ich liebe gute Genreliteratur, ich verschlinge zur Zeit einen Zombie-Roman nach dem anderen; und ich liebe den Ebook-Markt dafür, dass endlich die wildesten Genreautoren nach oben gespült werden. Plötzlich finde ich Romane von düsterster Coleur, die es früher nicht mal in die Lektoratskonferenz eines mittleren Verlags geschafft hätten. Natürlich muss man sie zwischen der Massenproduktion eines Alfred Bekkers suchen, aber sie sind da.

Meine nächsten Aufgaben werden zum Einen der Entwurf für ein weiteres Cover sein, zum Anderen verpasse ich dem zweiten Roman – Die Steppe hinter Westberlin – im Moment eine Politur mit Heißwachs. Das wird ein schnittiger Schlitten:

Oldsmobil Golden Rocket

Und wenn dann die zwei Romane im weltweiten Netz stehen, müsst ihr sie, alle die ihr hier mitlest, laden und anschließend auf Amazon besprechen, denn das ist die neue Währung für die Dichter; nur mit ausreichend Amazon-Rezensionen kann ein Ebook seinen rostigen Rumpf von der Startbahn aus in die Lüfte schrauben.
Und es wird Gratis-Tage geben! Also wartet, wartet noch ein Weilchen (Hackebeilchen).
(Und wenn ich scheitern würde? Dann scheitere ich eben, ich habe Übung. Und ich habe Haltung.)

To be continued...


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