Mittwoch, 2. Mai 2012

1880

Rimbaud in Aden
auf einer weit entfernten Landkarte
steht er im wüsten Schnee vor
weißem Sand so negativ

Mit einem proletarischen Gesicht
das in den dunklen Abgrund
der Camera Obscura schaute

Ein Salzabzug für alte Trödler
die Sand zwischen den Zähnen haben
Antike in dem Handelsfleck Harare

Wie dieser Dichter in den Lauf
der verschriftlichten Gewehre schaut
vierzig glimmende Gewehre
in dem schwarzen Haar der Fürstin

Rimbaud schaut in die Ferne
in den glänzend weißen Himmel
In den Knochen kratzt der Krebs

Er gibt den schweren Füßen
Befehl zum Schritt, zum Scheitern
Der blasse Kindermund verzagt

Arthur Rimbaud: sein größtes Werk
sind seine Karabiner
Ich habe sie schon längst gelesen
Ich starre jede Nacht in sie




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Kommentare:

  1. Lieber Florian,
    ich fand diesen Hauch von Lavaterismus bei dir schon einmal problematisch. Du schreibst von »einem proletarischen Gesicht«, als würden Physiologie und sozialer Rang (oder Arbeitsfeld) einander bedingen. Unleugbar ist, dass man Menschen manchmal ansehen kann, wes Geistes Kind sie sind, aber in toto ist's, nein nein, so einfach nicht.
    Für's Gedicht scheint damit auch nichts gewonnen.
    Apart from that: auf bald!

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  2. I like this very much. Greetings from grey England. -Dylan

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  3. Dear Florian, we met in Berlin and spoke of Hoelderlin. I love this poem. I mused, if all poets were contemporaries how strange would it be if Hoelderlin, on one of his sojourns to Paris, were to have met Rimbaud...anyway thank you for these words. Oh que ma quille eclate! Oh que j'aille a la mer...Salutations, Charlotte

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