Mittwoch, 11. Juli 2012

Kafka war der größte Ladenhüter, den man sich denken kann. Von seinem ersten Buch "Betrachtung", erschienen Ende 1912 bei Rowohlt, und von Kurt Wolff herausgegeben, verkauften sich in den ersten fünf Jahren weniger als 400 Exemplare (meine Güte, da verkaufe ich ja mehr... fast), in einem Zeitraum, in dem Kafka nahezu sein Gesamtwerk publizierte. Von seinem Erstling also keine 100 Stück pro Jahr. Da haben aber einige nicht aufgepasst zu Zeiten der Moderne.

Doch es gibt natürlich eine Pointe, wie auch anders beim Kafka Franzl: welches war eines der teuersten Bücher des 20sten Jahrhunderts? Natürlich die "Betrachtung", 2001 im Antiquariat Wien für schlappe 18.500 DM verkauft. Und diese Ausgabe war nicht etwa signiert, nein, für einen Kafka mit Kaiser Wilhelm muss man schon etwas mehr anlegen; 2005 wurde eine signierte Ausgabe von "Der Heizer" (Kurt Wolff, Leipzig 1913) beim Auktionshaus Hauswedell Nolte für 45.657 Euro versteigert.

Für das Geld hätte Kafka drei bis vier Jahre weniger in der verhassten Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen arbeiten müssen.

Ach, ja, l´argent. Eine ewige Misere.
Im selben Jahr schrieb ein anderer KuK-Schriftsteller, nämlich Robert Musil, über das liebe Geld der Dichter:
Ein vom Publikum favorisierter Schriftsteller hat heute durchschnittlich das Einkommen eines Hoteldirektors, in ganz seltenen Fällen das eines nicht sehr gut gestellten Bankdirektors. Ein vom Publikum nicht favorisierter Schriftsteller hat das Einkommen eines Liftboys, in ganz seltenen Fällen das eines Bankdieners. Häufig bloß das eines Volontärs. Schuld an diesen Zuständen will niemand haben, nicht der Schriftsteller, nicht der Verleger und nicht das Publikum. Wie alle weitgreifenden wirtschaftlichen Konstellationen sind sie unpersönlich oder überpersönlich. Daß sie von größtem Einfluß auf das künstlerische Schaffen sind, ist sicher. Daß sie geändert werden müssen, ist sicher. Wie - darüber habe ich nicht nur kein Urteil, sondern kann auch keines mit Überzeugung äußern, weil ich auf Reisen bin und das redlich übertreibungslose Leben eines Nichtschriftstellers führe. 

Kafka Franzl

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