Mittwoch, 13. März 2013

Nach dem Kampagnenstart gingen wir in die Restauration Walden, und gründeten dort ein Zentrum für Poesie. Versehentlich.

Jan Kuhlbrodt, Crauss

Tom Schulz, Tobias Roth

Tom Schulz

Tobias Roth

Christel Steigenberger

Bertram Reinecke

Bertram Reinecke

Crauss, Bertram Reinecke

Crauss, Tom Schulz, Bertram Reinecke

Jan Kuhlbrodt

Crauss

Armin Steigenberger

Armin Steigenberger

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Dienstag, 12. März 2013

O, keine Zeit, keine Zeit, keine Zeit. Deshalb nur schnell der erste Teil der Photos von der Auftaktveranstaltung des Zentrums für Poesie (in Gründung). Doch was heißt hier schnell? Das Nachbearbeiten und Hochladen der Bilder dauert jedesmal eine ganze Weile. Morgen dann der Rest vom verschatteten Abend...

Ulrike Draesner

Johannes Frank, Crauss, Tobias Roth

G 13

Alexander Graeff, Tobias Roth

 Alexander Graeff, Elke Erb, Nico Bleutge

Bertram Reinecke, Jan Kuhlbrodt

Ulrike Draesner

Monika Rinck

Johannes Frank

 Nico Bleutge 

Lea Schneider

Gerald Zörner

Konstantin Ames, Crauss

Jinn Pogy

Linus Westheuser, Elke Erb

Linus Westheuser, Elke Erb

Ulf Stolterfoht, Armin Steigenberger


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Donnerstag, 7. März 2013

Ich komme überhaupt nicht mehr dazu, diesen Blog zu führen. Romane wollen geschrieben sein, Gedichte in Massen, Anthologien müssen vorbereitet werden...
Und erst jetzt kann ich mich dazu aufraffen, einen kurzen Bericht zu Björns Buchpremiere zu verfassen:
Im Ozelot in der Brunnenstraße ein unglaublicher Andrang, sicher 70 oder 80 Zuhörer, die sich in der Buchhandlung einfanden. Und vor der Lesung in einem riesigen Pulk rauchend vor dem Schaufenster standen. Eher die Szenerie einer Vernisage.
Die Lesung selbst war packend, die Moderation von Kai Splittgerber unterhaltsam. Die Unterhaltungen danach die Üblichen über Kunst, Geld & Ruhm. Später in einer mir nicht bekannten Bar dann weiteres Reden und weiteres Trinken. Endlich kam ich zu einem Glas Wein (und einem nächsten, und noch einem nächsten...) - im Ozelot hatte es nur Bier gegeben, das ich ja prinzipiell nicht konsumiere.

Ron Winkler

Publikum

Ricardo Domeneck, Johannes Frank,
Birgit Kreipe

Isabel Cole, Axel Haase

Lea Schneider, Tristan Marquardt,
Angela Sanmann, Lucy Fricke, Ron Winkler

Ricardo Domeneck, Johannes Frank

Ricardo Domeneck, Johannes Frank

Ricardo Domeneck, Johannes Frank

Isabel Cole, Björn Kuhligk

Tom Schulz, Tea Kolbe, Eberhard Häfner

Isabel Cole

Melanie Katz

Melanie Katz

Tinka Bechert

Tinka Bechert

Florian Voß


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Freitag, 1. März 2013

Morgen mehr...


Jack Kerouac and Allen Ginsberg, Lower East Side, New York City, 1958

Mittwoch, 20. Februar 2013

Und weil nur ein Merseburger Zauberspruch natürlich nicht allein stehen sollte, findet ihr hier den zweiten in meiner neuen Übertragung. Auch bei diesem ergeben sich Probleme der Interpretation, die ich recht radikal gelöst habe. Ich verbinde Fol und Folla zu einem Geschwisterpaar, und ich lese - einer abseitigen Philologenmeinung folgend - balderes als Herren und eben nicht als Gott Baldur. Und diese Herren lasse ich nicht ins Gehölz reiten, sondern auf einem Pferdewagen fahren.


     Fol und wodan · fuhren ins gehölz
     da ward der herren fohlen · der fuß verrenkt
     so besprach ihn sinthgurt · die schwester sunnas
     so besprach ihn frija · die schwester follas
     so besprach ihn wodan · wie nur er es konnt
     so die beinrenke · so die blutrenke · so die gliedrenke
     bein zu bein · blut zu blut
     glied zu glied · so dass sie geleimt sind

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Dienstag, 19. Februar 2013

Und wieder habe ich mir ein unbezahltes Projekt aufgehalst. - Schon seit Jahren verzweifele ich über die philologisch hasenfüßigen und poetisch lauen Übersetzungen der Gedichte aus dem deutschen Mittelalter. Sowohl die althochdeutschen als auch die mittelhochdeutschen Texte verlieren meist jeden Zauber, und auch jede Zauberkraft, was ja bei den Segens- und Bannsprüchen von klarer Bedeutung sein sollte.

Schon vor einigen Jahren habe ich einiges aus diesem Feld übertragen, unter anderem den Wurmsegen und die Klage Walthers von der Vogelweide. Seither reizt es mich immer wieder, einen kleinen Band von 50 Nachdichtungen zusammenzutragen (der sich gut für Reclam eignen würde; doch, leider, leider, Reclam publiziert so etwas seit Jahrzehnten nicht mehr, Insel auch nicht).

Als kleine Vorspeise hier meine Übertragung des ersten Merseburger Zauberspruchs. In der ersten Zeile folge ich der Interpretation des Philologen Gerhard Eis, der duoder als Verschreibung von muoder deutet.


     Einst saßen drei disen · die ehrbaren ahnen
     setzten die feinde fest · hinderten das heer
     der freunde fesseln · ließen sie fallen
     entspringt den knebeln · entflieht den kriegern . H .



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Dienstag, 22. Januar 2013

death/null
in der s-bahn fallen die fratzen
vom werbeplakat in das gesicht
meine hände sind blätter
keine schrift aber trocken
null/eins
zwo drei vier, links kehrt
sich die jugend in das alter
ich traue keinem photo
das nach photoshop sich
aufmachte in die übertünchte nacht
death/null
dunkelweit auf platten
unter den photographischen füßen
die absätze immer rein in die
"ich will ja schon schweigen
aber es geht ja noch nicht"
tapp, tapp, macht tapfer der kopf
auf dem weg in die nacht
sah selten so ein schweigen

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Montag, 21. Januar 2013

Eigentlich war der Zeitraum zwischen 1918 und 1958 ein einziger geschichtlicher Abschnitt, das Zeitalter des Jazz – auch wenn in Deutschland die Zäsuren von '33 und '45 natürlich stärker wirken, stärker gewirkt haben. Vor allem in der Dichtkunst ist, neben der Musik, dieser Halbjahrhundertstil zum Beispiel im Werk Gottfried Benns gut zu erkennen (aber nicht nur dort). Dann brach das Zeitalter des Pop an, des Beat in Musik und Lyrik.
Und hier wird es interessant; Benn steht mit Teilen seines Spätwerks genau im Übergang zum neuen Stil (zu Phase II, wie er es bezeichnet hat), man liest zum Beispiel:

     […] Vom Nebentisch hört man oft: „Wir Grossisten“, […]
     „Dreizehn Mark fünfzig als Monatsrate“:
     Die ganze Welt ist voll von solchen Worten.
     Demgegenüber die Inkassos des Himmels,
     verderblich vielleicht, in gewissem Sinne sträflich,
     aber man lag herum, abgeschabt, Ausverkauf, richtiger Verschleiß
   
     und nun für vierhundert Mark
     Quaderrisse
     Felsensprengungen […]

Das ist zwar nicht von Thematik und Metaphorik, aber ganz von der Schreibhaltung her schon Rolf Dieter Brinkmann verwandt. Benn ist auch hier, etwas mehr als ein Jahr vor seinem Tod, ein echter Erneuerer.
So wie er 1912 mit Morgue die literarische Bühne betritt, so verlässt er sie wieder mit diesen Gedichten in freiem Vers, die ebenso revolutionär sind wie erstere, die aber lange nicht so auffallen, weil sie nicht in einem Zyklus gebündelt erschienen.

Wie ich Benns Gedichte immer schon geliebt habe. Kommt mir vor, als würde ich sie lesen, seit ich überhaupt lesen kann. In Wirklichkeit habe ich sie erst mit dreizehn oder vierzehn Jahren kennengelernt, als ich mich begann, ernsthaft für Lyrik zu interessieren. Allerdings ist Benn einer der wenigen Dichter geblieben, den ich in allen Phasen meines bisherigen Lebens gerne gelesen habe, denn sein Werk ist so breit gefächert, stilistisch alle Zeit geeignet.
Und nachdem ich gestern noch einmal das einzige Fernsehinterview mit ihm gesehen habe, weiß ich auch wieder, warum mir der Mann immer so sympathisch war: unprätentiös ist er, ein Genie, das es nicht nötig hat aufzutrumpfen. Angenehm auch seine Stimme, ruhig und in sich gekehrt, ohne dieses, für die fünfziger Jahre noch typische, Schnarren in der Stimme, ganz und gar kein preußischer Offizier; obschon er ja genau solch einer gewesen war.
Ein Weltbürger in Westberlin. Denn um ein Mann von Welt zu sein, muss man nicht die Länder bereist haben, sondern die Gehirnwindungen und Nervenstränge.


Und er hatte eine mir angenehme Haltung dem Publikum gegenüber:
[…] ich bin nicht populär und wünsche nicht es zu sein. Ich halte das Publikum für Pöbel und Ruhm für eine Schiebung. Beides steht mir gleich fern […]

Dichten bis der Doktor kommt

Dolles Leben, famoser Dichter, dieser Gottfried Benn.

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Freitag, 18. Januar 2013

Ich habe mich ja immer als ein Lyriker begriffen, der auch Prosa schreibt.
Nur schreibe ich seit Langem kaum noch Poetry (dafür einen Roman nach dem anderen). Ein paar Reisegedichte, die minderer Qualität sind, obwohl ich sie oft überarbeitet habe, was sonst nicht meine Vorgehensweise ist (und die ich deshalb bislang nicht publizieren wollte), ein paar einzelne Strophen in (meinem) alten Stil.
Letztlich sind mir seit 2008 nur drei lange Zyklen geglückt, mit denen ich dachte eine neue, für mich revolutionäre Phase einzuleiten; aber nun schaut es so aus, als wäre ich mit diesen paar Texten am Ende meines Lateins angekommen (Hink @ Nunk). Ein letztes Aufblähen vor dem Zusammensacken. Pfffffff... .. .

Seitdem warte ich auf einen neuen Zugang zum lyrischen Schreiben, und im Wartesaal, in meiner verrauchten Kammer, erstelle ich dreihunderttausend Zeichen Prosa pro Jahr. Merkwürdig genug, aber in diesem Genre fällt es mir leidlich leicht, neue Formen aus mir herauszustanzen.

Ich könnte natürlich auf hohem Niveau meinen Gedichtstil weiterführen, Buch um Buch heraus hauen; vermutlich würde ich sogar erfolgreicher sein damit, denn das Publikum liebt den konsistenten Stil, das wiedererkennbare Gleiche; das Publikum liebt Durs Grünbein (Meine Güte, was war das für ein großer Dichter... vor zwanzig Jahren). Doch mir macht so was keinen Sinn. (Immer diese schwer goutierbare Ironie, die sich in Front des Publikums störrisch ins Sprechen einnistet).

Aber wohin könnte ich schlappen, schleichen, schlendern, welche Poetologie ist nicht verbraucht, aufgebraucht, weggeschlürft? Selbst die Gedichte Thomas Klings wirken auf mich mittlerweile wie eine altbackene Hochzeitstorte. Kling, der verspätete Heidebewohner, der Bargfelder ehrenhalber.
Stattdessen, je älter ich werde, langt mich der späte Celan an. Aber diesen Schild kann ich nicht tragen, dafür sind meine Flossen zu linkshändig.
Was also tun? (Auch Väterchen Frost, mit seinem Spitzbart von 1923, hat keine Antwort zu bieten). Weiter in den Eingeweiden bohren (Hoppla, da ist es ja schon, das schwarze, poetische Katzengold)? Bäumen und Nachbarn neue Namen geben? Mimimi-cri in der Hülle (Hölle) legendärer, sagenhafter Dichter treiben?
Meinen nächsten Gedichtband mit dem Satz „Hundert Jahre nach Morgue die neueste Sensation“ bewerben? Zurück in die Zukunft?
Ernst gesprochen: alles ist zertrümmert und wieder aufgerichtet worden. Dieser Tage werden von den Kollegen erneut Oden geschrieben, oder Wortlisten geschickt hochgezurrt, bis so oder so die poetische Visage ganz gebotoxt ausschaut. Was habe ich damit zu schaffen? - Meine Gedichte sind müde.

Zur Hölle mit dem Publikum, ich muss nachdenken.
(Und ansonsten: die nächsten 15.000 Zeichen Wermut. Und im Herbst werden die drei Zyklen erscheinen, man möge mir verzeihen (und mit schweren Eisenhämmern...). Titel: In Flip-Flops nach Armageddon).

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Immerhin: wenn ich schon keine Gedichte mehr schreibe, lesen tue ich sie nichtsdestotrotz (Trotz. Trotz. Trotz. Wie die Worte entschwinden). Mehr als in den letzten Jahren, in denen ich Romane gefressen habe, was ich wiederum in der Zeit zuvor vernachlässigte.
Und was kommt mir da vor das Auge? Solche verwickelten, auf- und angeleinten, großartigen Verse (Da sind Böden drin, bis ins vierte Kellergeschoss, bis ins dritte Parkdeck):

     Ich Chi
     von Beruf CIH
     Central Intelligence Hometrainer, ich
     fange jeden Morgen. Damit an
     meine Wäschehänge über Breitenweg
     zwischen Battery Park und Metlife an der Zimmerlinde
     vor den Dargebot´nen Fenstern festzubeamen
     bis ich klammerheimlich Chip nach Chip
     an den Scheide-, Schneide-, Schneidertisch gerufen werde [...]

(Wolfram Malte Fues)

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Sonntag, 13. Januar 2013

Die Ästhetik des PICASA-Bildbearbeitungsprogramms wird dereinst das Bild des frühen 21ten Jahrhunderts prägen.
Die Art von Cross-Entwickler, das Sepia, die Duoton-Aufspaltung in Gelb und Blau, die künstliche 60er-Jahre-Patina, diese Effekte werden typisch für die Photo-Ästhetik sein, die unsere Nachfahren mit uns verbinden werden.
Ich kann mich gut an das erste Mal erinnern, als ich bewusst digitale Photographien wahrnahm. Im Jahr 1998 besuchte ich eine Ausstellung in der Galerie Ochs, die die damals noch revolutionäre und sehr kostspielige Digitalphotographie zeigte (ich schrieb eine Kritik für ein Hochglanzmagazin über die Vernissage). Alle museumsgroßen Photos hatten merkwürdige graue Fleckchen und meskalintrip-artige Strukturen in hellen Grüntönen auf der Oberfläche. Ich hielt sie an dem Abend für den Ausdruck einer speziellen Ästhetik; erst Jahre später, als sich die Digitalphotographie auf dem Massenmarkt durchgesetzt hatte, wurde mir bewusst, dass es sich einfach nur um technische Artefakte handelte, die der noch nicht ausgereiften Technik geschuldet waren.
Nichtsdestotrotz werden in hundert Jahren diese Fehler als Stilbildend gelten, so wie die grob gerasterte, bräunlich-ausgeblichene Anmutung der Salzabzüge von 1845 als Stilbildend gilt.

Wie erst müssen in hundert Jahren diese grellen, unnatürlichen Farben und Strukturen des PICASA-Programms wahrgenommen werden, das heutzutage vermutlich auf jedem zweiten PC weltweit installiert ist? Vielleicht wird diese Ästhetik dann so verehrt werden, wie jetzt die des Jugendstils.
Vielleicht sollte ich meinen Blog ausdrucken und signieren. Ihn in einzelne Stücke zerschneiden und wie japanische Rollbilder zwischen zwei Bambusstöcke klemmen?

So oder so ist es sehr interessant, darüber nachzudenken, was für unser Zeitalter exemplarisch stehen wird. Die ganzen iPhones sicher nicht, denn die sind nur ein Abklatsch vom BRAUN-Design des mittleren 20ten Jahrhunderts. Schon eher das Kindle-Keyboard (ehemals Kindle3), vor allem weil es für die wirkliche Revolution des 21ten Jahrhunderts stehen wird. „Sie verlassen die Gutenberg-Galaxis“. Zudem sieht das alte Kindle sehr eigen aus, mit seiner Tastatur aus kleinen, runden Knöpfen.

KINDLE Keyboard

KINDLE Keyboard

Doch welche Kleider werden es sein? Kaum zu entscheiden; denn wer hätte gedacht, dass weiße Nietengürtel einstmals als typisch 80er gelten würden. Immerhin glaube ich zumindest schon für die 90er sagen zu können, was als eigenartige Frauenmode gehalten werden wird: schwarze Schlaghosen aus weichem Stoff, die knapp über dem Knöchel enden, dazu bauchfreie Tops und Turnschuhe mit Plateauabsätzen - (Erinnert sich noch jemand? Die waren gruselig!) - die Haare wuschelig und in Neonfarben (Directions!)...

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