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Samstag, 8. Februar 2014

Wenn ihr neue Gedichte von mir lesen wollt, kauft meinen neuen Gedichtband. Tut auch nicht weh, naja, ein bisschen vielleicht.
Ich danke für die Aufmerksamkeit.



Habe die Ehre . . .

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Dienstag, 2. Juli 2013

Letzte Woche Sand von Herrndorf gelesen. Bester Roman der letzten zehn Jahre. Allein schon der Anfang, dieses äußere und innere Panorama, das sich da auftut. Und die Figur der Helen Gliese (der Name der Sterne in Skorpion und Waage), selten eine so gute Charakterisierung in einem zeitgenössischen Roman gelesen. Darüber hinaus bin ich mir allerdings unsicher, ob Cetrois und Polidorio die selbe Person ist. Wäre dramaturgisch naheliegend. Aber ich glaube mich zu erinnern, dass Cetrois an der Auffahrt der Villa vorbei taumelt, in der zur gleichen Zeit Polidorio den blasierten Schriftsteller besucht.
Vermutlich ist der karierte Anzug des Rätsels Lösung. Ich muss den Roman in diesem Sommer ein zweites Mal lesen.

Was mich erneut verunsichert hat, war die so plastische Beschreibung der Wüste. Natürlich war sie plastisch, Herrndorf war ja im vorletzten Jahr dort. Die Verunsicherung betrifft auch nur mich selbst, denn in meinem nächsten Roman (mit dessen Entwürfen ich mich gerade beschäftige) wird die Wüste (Nevadas) eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Blöd nur, dass die einzigen Dünen, die ich jemals gesehen habe, bei Scheveningen an der Nordsee liegen. Ich hoffe, ich werde es besser als Karl May hinbekommen.

Seit gestern Morgen dann zum dritten Mal Arbeit und Struktur in einem Rutsch gelesen. Neben Sand sein bestes Werk, wie ich finde. Noch selten einen derart eindringlichen Text gelesen. Nun warte ich auf seine letzten Einträge die, befürchte ich, bald erscheinen werden.

Parallel dazu Leben von David Wagner. Natürlich lange nicht so gut und tiefsinnig, es fehlen in dem Buch die Reflektionen, das Innenleben; aber als eigenständiger Text gar nicht mal schlecht. Ich habe es jedenfalls bis zum Ende gelesen, und mich nicht darüber geärgert, dass Wagner dafür den Preis der Leipziger Buchmesse bekommen hat. Interessant auch, dass wie in unserer Jugend offensichtlich partiell den gleichen Musikgeschmack hatten: Joy Division, The Cure, Souixsie and the Banshees. Hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Hätte bei ihm eher auf Duran Duran, maximal auf Depeche Mode getippt.
Vermutlich sollte ich Leben erneut lesen, wenn Herrndorfs Blog in meinem Kopf wieder etwas verblasst ist. Vermutlich ist das in Wirklichkeit ein gutes Buch.

Mittlerweile natürlich in einer reichlich morbiden Stimmung (noch morbider als sowieso schon immer). Stehe alle halbe Stunde auf dem Balkon in der Sonne, rauche Camel Filter (Marke meines verstorbenen Vaters) oder West (Marke meiner verstorbenen Mutter) und sinniere über den eigenen Tod. Momento Mori. Auch nichts Neues.

Ansonsten ein paar Gedichte geschrieben und über den Roman nachgedacht, den ich wahnsinnig gerne Licht & Blindheit nennen würde. Geht natürlich nicht.
Immerhin ist mir gestern im Halbschlaf eingefallen, wie ich das Motivationsproblem der zentralen Figur lösen kann: mit dem Angebot, ihr einen Computerchip ins Gehirn zu verpflanzen.

Sehr unsicher bin ich mir aber noch über die Struktur des Ganzen. Soll ich mit Spannungsbogen und Plotpoint arbeiten (so wie bedingt im letzten Manuskript - Wermut), oder bastle ich ein riesiges Gestrüpp verschiedener Segmente aus Zeit und Raum zusammen? Und wie behandle ich die wörtliche Rede im frühen 18ten Jhdt, euro Gnaden?

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In den letzten Wochen immer wieder mal über den Bachmann-Preis nachgedacht. Zum dem Schluß gekommen: seit sicher zehn Jahren unnötige Veranstaltung.
TV ist eh scheiße. Und wären endlich alle Literaturverwurstungsshows im TV verwurstet und runtergespült, wäre der Bachmann-Preis Geschichte, ebenso wie alles was zum Beispiel Thea Dorn verbricht bis zum Erbrechen, dann würde vielleicht, vielleicht die wirklich relevante Literatur unserer Generation wahrgenommen werden.
Urteil natürlich schwer getrübt durch die Kränkung, trotz zweimaligem Bewerbs dort nicht eingeladen worden zu sein.
Immerhin haben sie vor Jahren Herrndorf zum Tanz aufgefordert, wenn er am Ende des Abends auch nicht das Blumenbuket zugeworfen bekam.

Von Kränkungen gesprochen: seit der Umsonst-Aktion auf Amazon hat sich die eBook-Ausgabe von Bitterstoffe kein einziges Mal verkauft. Kein einziges Exemplar. Völliges Scheitern. Und die Fahnen hängen schlapp in der absoluten Windstille.

Aber: mein vierter Gedichtband wird im Oktober erscheinen. Cover und Klappe sind schon fertig (Lektorat steht noch aus, was mich ein bisschen unruhig macht):



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Freitag, 18. Januar 2013

Ich habe mich ja immer als ein Lyriker begriffen, der auch Prosa schreibt.
Nur schreibe ich seit Langem kaum noch Poetry (dafür einen Roman nach dem anderen). Ein paar Reisegedichte, die minderer Qualität sind, obwohl ich sie oft überarbeitet habe, was sonst nicht meine Vorgehensweise ist (und die ich deshalb bislang nicht publizieren wollte), ein paar einzelne Strophen in (meinem) alten Stil.
Letztlich sind mir seit 2008 nur drei lange Zyklen geglückt, mit denen ich dachte eine neue, für mich revolutionäre Phase einzuleiten; aber nun schaut es so aus, als wäre ich mit diesen paar Texten am Ende meines Lateins angekommen (Hink @ Nunk). Ein letztes Aufblähen vor dem Zusammensacken. Pfffffff... .. .

Seitdem warte ich auf einen neuen Zugang zum lyrischen Schreiben, und im Wartesaal, in meiner verrauchten Kammer, erstelle ich dreihunderttausend Zeichen Prosa pro Jahr. Merkwürdig genug, aber in diesem Genre fällt es mir leidlich leicht, neue Formen aus mir herauszustanzen.

Ich könnte natürlich auf hohem Niveau meinen Gedichtstil weiterführen, Buch um Buch heraus hauen; vermutlich würde ich sogar erfolgreicher sein damit, denn das Publikum liebt den konsistenten Stil, das wiedererkennbare Gleiche; das Publikum liebt Durs Grünbein (Meine Güte, was war das für ein großer Dichter... vor zwanzig Jahren). Doch mir macht so was keinen Sinn. (Immer diese schwer goutierbare Ironie, die sich in Front des Publikums störrisch ins Sprechen einnistet).

Aber wohin könnte ich schlappen, schleichen, schlendern, welche Poetologie ist nicht verbraucht, aufgebraucht, weggeschlürft? Selbst die Gedichte Thomas Klings wirken auf mich mittlerweile wie eine altbackene Hochzeitstorte. Kling, der verspätete Heidebewohner, der Bargfelder ehrenhalber.
Stattdessen, je älter ich werde, langt mich der späte Celan an. Aber diesen Schild kann ich nicht tragen, dafür sind meine Flossen zu linkshändig.
Was also tun? (Auch Väterchen Frost, mit seinem Spitzbart von 1923, hat keine Antwort zu bieten). Weiter in den Eingeweiden bohren (Hoppla, da ist es ja schon, das schwarze, poetische Katzengold)? Bäumen und Nachbarn neue Namen geben? Mimimi-cri in der Hülle (Hölle) legendärer, sagenhafter Dichter treiben?
Meinen nächsten Gedichtband mit dem Satz „Hundert Jahre nach Morgue die neueste Sensation“ bewerben? Zurück in die Zukunft?
Ernst gesprochen: alles ist zertrümmert und wieder aufgerichtet worden. Dieser Tage werden von den Kollegen erneut Oden geschrieben, oder Wortlisten geschickt hochgezurrt, bis so oder so die poetische Visage ganz gebotoxt ausschaut. Was habe ich damit zu schaffen? - Meine Gedichte sind müde.

Zur Hölle mit dem Publikum, ich muss nachdenken.
(Und ansonsten: die nächsten 15.000 Zeichen Wermut. Und im Herbst werden die drei Zyklen erscheinen, man möge mir verzeihen (und mit schweren Eisenhämmern...). Titel: In Flip-Flops nach Armageddon).

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Immerhin: wenn ich schon keine Gedichte mehr schreibe, lesen tue ich sie nichtsdestotrotz (Trotz. Trotz. Trotz. Wie die Worte entschwinden). Mehr als in den letzten Jahren, in denen ich Romane gefressen habe, was ich wiederum in der Zeit zuvor vernachlässigte.
Und was kommt mir da vor das Auge? Solche verwickelten, auf- und angeleinten, großartigen Verse (Da sind Böden drin, bis ins vierte Kellergeschoss, bis ins dritte Parkdeck):

     Ich Chi
     von Beruf CIH
     Central Intelligence Hometrainer, ich
     fange jeden Morgen. Damit an
     meine Wäschehänge über Breitenweg
     zwischen Battery Park und Metlife an der Zimmerlinde
     vor den Dargebot´nen Fenstern festzubeamen
     bis ich klammerheimlich Chip nach Chip
     an den Scheide-, Schneide-, Schneidertisch gerufen werde [...]

(Wolfram Malte Fues)

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