Vermutlich ist der karierte Anzug des Rätsels Lösung. Ich muss den Roman in diesem Sommer ein zweites Mal lesen.
Was mich erneut verunsichert hat, war die so plastische Beschreibung der Wüste. Natürlich war sie plastisch, Herrndorf war ja im vorletzten Jahr dort. Die Verunsicherung betrifft auch nur mich selbst, denn in meinem nächsten Roman (mit dessen Entwürfen ich mich gerade beschäftige) wird die Wüste (Nevadas) eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Blöd nur, dass die einzigen Dünen, die ich jemals gesehen habe, bei Scheveningen an der Nordsee liegen. Ich hoffe, ich werde es besser als Karl May hinbekommen.
Seit gestern Morgen dann zum dritten Mal Arbeit und Struktur in einem Rutsch gelesen. Neben Sand sein bestes Werk, wie ich finde. Noch selten einen derart eindringlichen Text gelesen. Nun warte ich auf seine letzten Einträge die, befürchte ich, bald erscheinen werden.
Parallel dazu Leben von David Wagner. Natürlich lange nicht so gut und tiefsinnig, es fehlen in dem Buch die Reflektionen, das Innenleben; aber als eigenständiger Text gar nicht mal schlecht. Ich habe es jedenfalls bis zum Ende gelesen, und mich nicht darüber geärgert, dass Wagner dafür den Preis der Leipziger Buchmesse bekommen hat. Interessant auch, dass wie in unserer Jugend offensichtlich partiell den gleichen Musikgeschmack hatten: Joy Division, The Cure, Souixsie and the Banshees. Hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Hätte bei ihm eher auf Duran Duran, maximal auf Depeche Mode getippt.
Vermutlich sollte ich Leben erneut lesen, wenn Herrndorfs Blog in meinem Kopf wieder etwas verblasst ist. Vermutlich ist das in Wirklichkeit ein gutes Buch.
Mittlerweile natürlich in einer reichlich morbiden Stimmung (noch morbider als sowieso schon immer). Stehe alle halbe Stunde auf dem Balkon in der Sonne, rauche Camel Filter (Marke meines verstorbenen Vaters) oder West (Marke meiner verstorbenen Mutter) und sinniere über den eigenen Tod. Momento Mori. Auch nichts Neues.
Ansonsten ein paar Gedichte geschrieben und über den Roman nachgedacht, den ich wahnsinnig gerne Licht & Blindheit nennen würde. Geht natürlich nicht.
Immerhin ist mir gestern im Halbschlaf eingefallen, wie ich das Motivationsproblem der zentralen Figur lösen kann: mit dem Angebot, ihr einen Computerchip ins Gehirn zu verpflanzen.
Sehr unsicher bin ich mir aber noch über die Struktur des Ganzen. Soll ich mit Spannungsbogen und Plotpoint arbeiten (so wie bedingt im letzten Manuskript - Wermut), oder bastle ich ein riesiges Gestrüpp verschiedener Segmente aus Zeit und Raum zusammen? Und wie behandle ich die wörtliche Rede im frühen 18ten Jhdt, euro Gnaden?
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In den letzten
Wochen immer wieder mal über den Bachmann-Preis nachgedacht. Zum dem
Schluß gekommen: seit sicher zehn Jahren unnötige Veranstaltung.
TV
ist eh scheiße. Und wären endlich alle Literaturverwurstungsshows
im TV verwurstet und runtergespült, wäre der Bachmann-Preis
Geschichte, ebenso wie alles was zum Beispiel Thea Dorn verbricht bis
zum Erbrechen, dann würde vielleicht, vielleicht die wirklich
relevante Literatur unserer Generation wahrgenommen werden.
Urteil
natürlich schwer getrübt durch die Kränkung, trotz zweimaligem
Bewerbs dort nicht eingeladen worden zu sein.
Immerhin
haben sie vor Jahren Herrndorf zum Tanz aufgefordert, wenn er am Ende
des Abends auch nicht das Blumenbuket zugeworfen bekam.
Von
Kränkungen gesprochen: seit der Umsonst-Aktion auf Amazon hat sich
die eBook-Ausgabe von Bitterstoffe kein einziges Mal verkauft.
Kein einziges Exemplar. Völliges Scheitern. Und die Fahnen hängen
schlapp in der absoluten Windstille.
Aber:
mein vierter Gedichtband wird im Oktober erscheinen. Cover und Klappe
sind schon fertig (Lektorat steht noch aus, was mich ein bisschen
unruhig macht):
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