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Montag, 20. August 2012

Völlig verkatert war ich gestern auf einer Lesung aufgeschlagen. Der Schädel fühlte sich einmal mehr fremd, fremd, fremd an. Ich musste ein Gedicht auf dem Sommerfest des Verlagshaus J. Frank lesen, und nur meine preußische Disziplin brachte mich dazu, eine S-Bahn in Richtung Mitte zu nehmen, um mich dort für 60 Sekunden auf die Freiluftbühne des Acuds zu stellen. Mit wackeligen Stecken unterm verkrampften Leib las ich ganz hervorragend, weil mir alles gleichgültig war, ich nur schnell wieder nach Hause wollte, um mich unter meiner Decke zu verkriechen.
Eine dreiviertel Stunde später war ich wieder in Sicherheit, bei einer großen Schüssel Vanilleeis (Schokolade war leider schon aufgegessen).
Der übermäßige Kater ist die Konsequenz meiner Disziplinlosigkeit am Abend zuvor gewesen. Tom hatte seinen 42. Geburtstag in einem wunderschönen Wintergarten auf dem Dach eines Hauses am Kollwitzplatz gefeiert. Eine große Terrasse gab den Blick auf den jüdischen Friedhof frei, auf dem immer wieder ein Fuchs bellte, der sich anhörte, als hätte jemand sehr schmerzhaften Sex.
Die Nacht war mild, der Wein ausreichend vorhanden, und ich wollte gegen 1 Uhr gehen, nach maximal drei, vier Glas. Es wurden dann doch vermutlich sieben, und gegen 4 Uhr schwankte ich zum Nordbahnhof zurück. (In der S-Bahn ein Zombie-Roman auf dem Kindle).
Zuvor Gespräch mit Jan (Skudlarek) über Dichtergenerationen, und ob eine Einteilung nach Alter wichtig sei. (Er: nein. Ich: ja). Ein Gespräch über Dies und Das mit Johannes, eins mit Falkner über Stipendien, eins mit Ruth über den schlechten Stil, der in den deutschen Verlagen immer mehr um sich greift. Schließlich ein Tänzchen mit Björn.
Und die Nacht über uns, und die Nacht in uns, und der Fuchs bellte.


Synke Köhler

Björn Kuhligk

Gerhard Falkner

Tom Schulz, Gerhard Falkner, Björn Kuhligk

Gerhard Falkner, Björn Kuhligk, Tom Schulz, Florian Voß
(Photo: Ruth Johanna Benrath)

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Dienstag, 15. Mai 2012

Gestern Abend war großartig. Eine wirklich gelungene Lesung mit neuen Gedichten von Björn Kuhligk, Eberhard Häfner, Marcus Roloff und Alexander Gumz.
(Und meine uralte Digital-Knipse machte wieder einmal nicht das, was ich wollte. Ich brauche dringend eine bessere Kamera).
Ins Besondere Eberhards neue Texte haben mich stark beeindruckt. Beruhigend zu merken: auch im Alter kann ein Dichter auf andere Ideen kommen, sich fortentwickeln. Es gibt keinen Grund stehen zu bleiben. Und das die besten Werken in der vierten und fünften Dekade geschrieben werden, das scheint nicht zwingend zu sein.
Dann hab ich ja noch etwas Zeit, reich und berühmt zu werden.

(Ansonsten viel Arbeit, die Vorbereitung der Georg-Heym-Anthologie kostet Zeit. Korrespondenz mit rund fünfzig Lyrikern und Lyrikerinnen ist eine aufwändige Sache. Aber das Buch wird toll werden. Nur leidet der Blog im Moment etwas darunter. Ich hoffe, dass ich ab anfang nächster Woche wieder mehr zum Schreiben komme).


Jan Skudlarek

Eberhard Häfner

Alexander Gumz, S. K.

Jan Skudlarek, Stephan Reich

Marcus Roloff

Max Czollek

Birgit Kreipe, Björn Kuhligk

Björn Kuhligk

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Donnerstag, 19. April 2012

(Nachtrag vom 22. April 2012 zum 18. April 2012).
Und alle, alle waren sie da. Man kann sagen, die Massen strömten zu Max Premiere. Kaum ist sein erstes Buch auf dem Markt, schon liest er in der Literaturwerkstatt, und nahezu hundert Zuhörer kommen. Es war kein Sitzplatz mehr zu bekommen, das Publikum stand bis in den Vorraum. Und zu Recht, denn Max ist ein großes Talent - ich weiß, das hört sich ein bisschen herablassend an, wenn ich es hier so daher schreibe, aber es ist mir ein wirkliches Bedürfnis zu sagen: Max Czollek ist ein großes Talent. (Und zu meiner Freude im selben Verlag wie ich). Allein sein Gedichtzyklus über jiddische Dichter hat das Zeug zu einem Klassiker. Doch auch die anderen Texte des Bandes gewinnen bei jedem Wiederhören, und einige habe ich mittlerweile ein Dutzend Mal vorgelesen bekommen.

Nach der Premiere die übliche Sause, nur an diesem Abend viel größer, rauschhafter, ausgelassener. Johannes ließ die Wodkagläser tanzen, Dominik die Whiskey-Tumbler. Schließlich war ich so betrunken, dass ich kaum noch den Auslöser meiner Kamera fand. (Und diese zehn Jahre alte Digital-Knipse ist eine ausgemachte Katastrophe, sie löst meist erst mit vier, fünf Sekunden Zeitverzögerung aus. Ein Wunder, das ich überhaupt halbwegs brauchbare Photos zustande bekommen habe. Wobei: 90 % waren ein Konglomerat aus Schlieren. Ich brauche schnell eine neue - aber woher will man die nehmen als armer Poet?)

Johannes Frank, Ricardo Domeneck

Tom Schulz

Jan Skudlarek

Max Czollek

Jan Kuhlbrodt

Im Publikum: ?

Max Czollek

Jan Kuhlbrodt, Max Czollek

Publikum

Im Hintergrund: Tom Schulz, Eberhard Häfner

Rausch

Norbert Lange, Jan Kuhlbrodt

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Dienstag, 6. März 2012

Der Abend gestern war sehr grün. Der Dichterstammtisch gut besetzt, auch wenn Eberhard nicht mehr zu uns fand, weil wir die Kneipe wechseln mussten; die sonst übliche hatte ohne Angabe von Gründen geschlossen. Stattdessen dann, wie in sehr alten Zeiten, im Heidelberger Krug getrunken (der mittlerweile wirklich unverschämte Preise hat - die Gentrifizierung Kreuzbergs...)
Woran liegt es eigentlich, dass Lyriker weitaus sozialer eingestellt sind als Prosaiker? Oder täuscht das? Wieviel Bier und Wein diese Dichter und Dichterinnen in den letzten 15 Jahren in sich reingegossen haben, in den verschiedensten Kneipen und Pinten, an den meist verschwommenen Tischen. Das fing an um 1995 im Kulturhaus Mitte (hieß das so? Ich bin mir nicht mehr sicher, das ist schon so ewig lang her), als bei "lauter niemand" sich verschiedene Freundes- und Bekanntenkreise bildeten, mischten, austauschten. Aber immer waren es: Lyriker. Obwohl dort (und an anderen Orten) ja auch Prosaautoren lasen, Bier tranken, sich unterhielten. Die haben aber keine Banden gebildet. Lyriker sind eben radikal und romantisch. Romantik! Die grüne Blume und die blaue Fee.



 Tea Kolbe, Max Czollek, Björn Kuhligk 

 Birgit Kreipe, Jan Skudlarek 

 Tristan Marquardt 

Tristan Marquardt 

 Max Czollek 

Ron Winkler 
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