Erster Tag. Nach einer Prüfung in der Humboldt-Universität am Morgen, die mich überraschender Weise ziemlich angestrengt hatte, vom Südkreuz aus mit dem Interconnex nach Leipzig.
Der Hauptbahnhof, wohl das schönste Bahnhofsgebäude der Republik, ist seit Jahren verschandelt von einer Einkaufspassage, die aus dem Kellergeschoss sich öffnend in die prächtige Vorhalle drängt. Die Bauplaner und Architekten, die das verschuldet haben, gehören ins Straflager.
Unten bei
Subway steht das Proletariat um trockene Brötchen an. Eine Schlange, als hätten wir nicht 2012 sondern 1982, und als würde es dort Wrangler-Nietenhosen geben, nicht überteuerte, belegte Brote.
Am Abend die erste Lesung der Autoren des
Verlagshaus J. Frank in der
Galerie Artae. Kaum Publikum, außer eben den Kollegen, aber das verehelichte Inhaberpaar dieser Wohngalerie zum Ausgleich ausgesprochen charmant und gastfreundlich. In der Küche, hinter den Galerieräumen (in denen merkwürdige, leicht schrottige Trouvaillen von Thomas Kapielski gezeigt werden), in der Küche also gibt es selbstgemachte Kartoffelsuppe mit dicken Würstchenstücken die schmeckt, wie von meiner Mutter persönlich gekocht.
Dazu Weißwein und Wohnküchenseeligkeit. Das Baby Helene, Tochter der Galeristen, taxiert die Gäste. Eine Atmosphäre, wie ich sie ganz ähnlich schon einmal erlebt habe: Boheme, Prenzlauer Berg, frühe 90er (und die waren ja nur noch ein Abglanz der mythischen 80er).
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| Johannes Frank, Birgit Kreipe |
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| Swantje Lichtenstein, Crauss |
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| Crauss, Claudia Gehrke |
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Johannes Frank, Swantje Lichtenstein,
Alexander Graeff, Andrea Schmidt |
Auf dem Klo der Galerie ein alter Spülkasten unter der Decke, mit Zugkette. So eine Wasserspülung habe ich das letzte Mal in meiner Kindheit gesehen. Es gibt vermutlich mittlerweile Kinder, vielleicht auch Jugendliche, die mit so einer Gerätschaft gar nichts mehr anzufangen wissen. So wie ihnen auch die Verbindung Cassette/Bleistift ein Rätsel bleiben wird.
Ich werde älter und fange an, Schnurren aus den Ardennen zu erzählen ("Als wir tapfer die Höhe 120 in der Leipziger Messehalle No. Fünf im Sturm nahmen, pfiffen uns die Kugeln der FAZ-Feuilletonisten um die Ohren. Aber wir haben nicht klein beigegeben. Nur immer feste druff").
Kriegsverletzungen glücklicherweise bisher keine. Davon abgesehen: ich mochte diese Spülkästen immer sehr gerne, die rauschten mit Schmackes.
Später noch eine Lesung in der temporären Lyrik-Buchhandlung. Max und ich lesen ab 23.30 Uhr, nachdem die Companeros von KOOKbooks den Laden geräumt haben. Trotzdem auch bei uns noch verblüffend viel Publikum.
Max Debutband ist großartig geworden. Verblüffemd wie man in dem Alter so gut schreiben kann, ich hab da noch größtenteils Grütze geschrieben, bestenfalls krudes Zeugs.
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Am Ofen: Monika Rinck
Ganz vorne: Alexander Gumz |
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| Dagmara Kraus |
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Ganz links: Norbert Lange
Am Ofen: Volker Sielaff |
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