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Samstag, 10. Januar 2015

Fraglich ist, wie die Zeit verfasst ist, und ob wir aus ihr heraustreten werden.
Ein Kind hat mit etwa zwei oder drei Jahren ein Schwarzes Loch in seine Erinnerung gestellt bekommen (von wem?); ein Cleaner, ein Vacuum zieht ihm die bisherigen Erlebnisse aus seiner Jetztzeit, wischt das Kind von innen aus. Zuvor aber kann sich das Kind zurückerinnern, funktioniert das Langzeitgedächtnis auch im Alter von 1 1/2 Jahren, kann das Kind fern zurückliegende Geschehnisse repetieren. Danach nicht mehr - als wäre ein geschlossenes Tor nötig, um es von der weiteren Rückerinnerung abzuhalten, über die Geburt hinaus.
Mein Sohn erzählte im Alter von zwei Jahren einmal, dass er sich an ein früheres Leben erinnern könne. Meines Wissens hatte niemand jemals zuvor mit ihm über das Konzept der Reinkarnation gesprochen, aber vielleicht hatte er das Thema irgendwo in der Nachbarschaft oder im Kindergarten aufgeschnappt.
Diese Ausweglosigkeit der Wiedergeburt: kein Paradies, keine Jungfrauen, keine Stille, kein Traum. Nur Trauben in jedem Leben, wieder und wieder. Eine nie enden wollende Mühsal. Vielleicht sehen Säuglinge deshalb so häufig wie kleine Greise aus, Omis und Opis auf Durchreise.
Wen haben sie gesehen, wen werden wir sehen?
Und warum fallen in meinem Haushalt unwillkürlich Plattenstapel vom Klavier, kurz nachdem meine Tochter geboren ward, kurz nachdem die Geister vorbeischauten?


Ektoplasma oder Schnupfen?

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Freitag, 19. Oktober 2012

In den letzten Tagen hat (mein Sohn) Tristan viel über den Tod nachgedacht. Und dann kam ihm in den Sinn, so erzählte er mir, dass man wiedergeboren wird, und dass im nächsten Leben ich vielleicht seine Mutter werden würde, und er und seine jetzige Mutter wären meine Kinder. Aber vielleicht wird auch, so dachte er vor sich hin, sein Kaninchen Gretchen seine Mutter werden.
Wir haben uns im herbstlichen Garten lange darüber unterhalten, und ich war völlig fasziniert davon, wie komplex ein gerade vier Jahre alt gewordenes Kind schon denken kann. Ihm kommt das doch recht anspruchsvolle Konzept der Reinkarnation einfach so in den Sinn. Es könnte aber andererseits bedeuten, dass sein Denken, seine Vorstellungsgabe gar nicht so begnadet ist, sondern vielmehr beseelt, und dass ihm der Gedanke in den Sinn gekommen ist, weil er sich in ihm als wahr erwiesen hat, weil Tristan mit vier Jahren noch näher an der Pforte seines früheren Lebens steht, diese Pforte noch nicht ganz geschlossen ist, ein Abglanz seines alten Lebens in ihn hinein leuchtet.
Na, dann wollen wir mal hoffen, dass er nicht der nächste Dalai Lama ist.

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