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Samstag, 10. Januar 2015

Fraglich ist, wie die Zeit verfasst ist, und ob wir aus ihr heraustreten werden.
Ein Kind hat mit etwa zwei oder drei Jahren ein Schwarzes Loch in seine Erinnerung gestellt bekommen (von wem?); ein Cleaner, ein Vacuum zieht ihm die bisherigen Erlebnisse aus seiner Jetztzeit, wischt das Kind von innen aus. Zuvor aber kann sich das Kind zurückerinnern, funktioniert das Langzeitgedächtnis auch im Alter von 1 1/2 Jahren, kann das Kind fern zurückliegende Geschehnisse repetieren. Danach nicht mehr - als wäre ein geschlossenes Tor nötig, um es von der weiteren Rückerinnerung abzuhalten, über die Geburt hinaus.
Mein Sohn erzählte im Alter von zwei Jahren einmal, dass er sich an ein früheres Leben erinnern könne. Meines Wissens hatte niemand jemals zuvor mit ihm über das Konzept der Reinkarnation gesprochen, aber vielleicht hatte er das Thema irgendwo in der Nachbarschaft oder im Kindergarten aufgeschnappt.
Diese Ausweglosigkeit der Wiedergeburt: kein Paradies, keine Jungfrauen, keine Stille, kein Traum. Nur Trauben in jedem Leben, wieder und wieder. Eine nie enden wollende Mühsal. Vielleicht sehen Säuglinge deshalb so häufig wie kleine Greise aus, Omis und Opis auf Durchreise.
Wen haben sie gesehen, wen werden wir sehen?
Und warum fallen in meinem Haushalt unwillkürlich Plattenstapel vom Klavier, kurz nachdem meine Tochter geboren ward, kurz nachdem die Geister vorbeischauten?


Ektoplasma oder Schnupfen?

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Mittwoch, 22. Januar 2014

Es gibt Lichtstimmungen, die mich an meine Kindheit erinnern. Aber es ist mir trotzdem ein Rätsel, warum mich gerade dieses hellgraue Winterlicht in die Kindheit bringt, das heute vom frischen Schnee in mein Zimmer reflektiert wird.
Und dieses hohe Zimmer mit dem floralen Stuck des Jugendstils, mit dem Fischgrätparkett und den ägyptisierenden Türklinken erinnert mich ebenfalls vage an meine Vergangenheit, obwohl ich in einer ganz anderen Wohnung großgeworden bin. In den winzigen Räumen eines mittelalterlichen Hauses, in dem eine dunkel gebeizte Barocktreppe in die Hausdiele führte; mit kalten Kammern, in denen die Fenster nach außen hin öffneten. Bei Sturm schlugen die Fensterflügel gegen die Fassade, im Winter waren die Scheiben überzogen von Eisblumen.
Es gibt Bilder in meinem Kopf, die wie Ikonen an meine Schädelwand gehängt sind, aber ich weiß nichts mit ihnen anzufangen. Ein anderes Zimmer erinnere ich, da war die Stirnwand mit einer Phototapete bedeckt, ein tiefgrüner Wald, sonnendurchflutet, spätsommerlich, vielleicht auch schon herbstlich. Da hätte ich reingehen können, denkt das konservierte Kind in mir.
Aber ich bin in diesem Zimmer niemals gewesen. Ich habe jahrelang über diesen Raum nachgedacht. Ich kann mir nicht versichern, dass dieser Raum existierte. Diese Fremdheit.
Draußen vor den Fenstern das Licht in den Hängen der Häuser, der Schnee auf dem ausgeglühten Asphalt.



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