Elektronenhirn II
Palm m505, du kammst zu mir geflogen mit anklickbarer Tastatur. Du hast ein Farbdisplay und ganze 8 Megabyte RAM. Du bist ein Herkules, du bist zehn Jahre jünger als Psion 3, der mit seinen 512 Kilobyte mühsam und verschlafen denkt. Psalm, du wirst mir die Dioden in den Äuglein leuchten lassen. Blink, blink.
Epson HX-20, dich rufe ich, mit allen acht Winden, die seit der Antike um meinen Kopf wehen. Du bist die Keilschrifttafel der Notebook-Ära. Psion MC 400, dich rufe ich, mir zu gefallen, und mir deinen Schwarzweiß-Bildschirm zu zeigen: 32 Graustufen, 32 shades of grey, sind dir zu eigen. Und zwischen Keyboard und Display enthüllt sich das allererste Trackpad. Wer braucht da noch eine IBM-Maus, wer kann noch Apple ernstnehmen?
Ich erinnere mich: vor meiner Geburt gab es schon Pong und Spacewar! Es flog im MIT ein Raumschiff über einen runden Bildschirm. Es verlor schon ein Professor gegen das erste starke Schachprogramm MacHack, kurz bevor es endlich Richtung Mond ging. Der erste Mensch der dümmer war, als ein simpler Algorhythmus. Oh, Plankalkül des Konrad Zuse, du hast uns die Misere eingebrockt, der Mensch ist kleiner noch als eine zusammengelötete Platine.
Nullen und Einsen, ich erinnere mich, nahmen wir durch, gleich nach dem Einmaleins. In der 5. Klasse, 1980, versuchte uns ein Mathematiklehrer (sein Name ist im Datenfriedhof versickert) die Strukturen zu vermitteln, den binären Code. Er hatte sicherlich noch nie in seinem Leben die Finger auf das Keyboard eines Sinclair ZX 81 gelegt. Er sah nach Adler-Schreibmaschine aus.
Oh, großer Sony Vaio, ich starre jede Nacht auf deinen goldgefüllten Bildschirm. Deine 2 Gigabyte RAM schleudern mich in gänzlich fremde Welten (wir schreiben das Jahr 2013...). In Foren wirbelst du mich, die seit der Antike unbetreten sind. In den dunklen Schlund von allMystery.
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Sonntag, 28. Juli 2013
Dienstag, 31. Juli 2012
Neue Notebooks sind nichts für halbe Autisten. Alles ändert sich, alles fühlt sich anders an. Die Tastatur klappert mit hohlerem Klang, das Trackpad ist strukturiert und reibt an den Fingerspitzen des Neurastenikers, die Farben sind zu grell und zu klar, als würden einem ein Tag am Meer aus dem Bildschirm entgegen schwappen.
Und alles will installiert sein, auch diese ganzen kleinen merkwürdigen Programme, die alle Nase lang um Zustimmung bitten for this & that.
Aber ich habe jetzt ein vernünftiges Schach im Speicher und eine Webcam vor der Nase. Kein schöner Anblick, wenn man gerade über Grundeinstellungen verzweifelt, die man das letzte Mal vor mehr als zehn Jahren gesehen hat, und die sich seitdem grundlegend verändert haben
Andererseits habe ich jetzt 500 Gigabyte im Trockenboden, aber was soll ich dort speichern? Videos von an Leinen wehenden Hemden und Hosen?
Es ist alles so komplex geworden, dass ich mehr oder minder mit Autopilot durch die Sicherheitsabfragen und Einstellungen segele. Es wird schon nicht so schlimm kommen, denn es kommt niemals so schlimm. Die Datenautobahn weist geradeaus in Richtung Utopia.
Früher war es mehr eine Landstraße, oder ein Feldweg. Mein erster Mikroprozessor steckte in einem Telespiel vom Bertelsmann-Buchclub. PONG für mich und meinen Bruder; mein Großvater musste extra dafür Mitglied werden, damit wir die Prämie kassieren konnten. Aber was hatten wir für einen Spaß: Teletennis, Eishockey, Squash. Mich faszinierte diese neue Welt so sehr, dass ich es fertig brachte, zwei, drei Stunden am Stück "Trainingswand" zu spielen.
Doch welch Herabsetzung dieser Sensation, als mein zweitbester Freund ein Jahr später eine Saba-Konsole bekam, mit Steckmodulen. Panzerschlacht! Barriere! Labyrinth! Was für phantastische Spielmöglichkeiten taten sich da in der abrockten Altbauwohnung des stolzen Thorstens auf. Wir verbrachten ganze Nachmittage vor dem Farbfernsehgerät seiner Eltern (ein Farbfernseher!), die sich auch am Sonntagnachmittag in Netzhemd und Negligé in die Kissen sinken ließen.
Auf der Glotze stand eine Lampe aus Nylonfäden, die an den Enden leuchteten, und der Hund fing ganz wahnsinnig an zu bellen, wenn die Hundetürglocke ertönte, die niemand außer dem ungewaschenen Köter hören konnte. Hochfrequenzschall.
Später kam dann andere, bessere Hardware. Atari, Mattel Intellivision, Colecovision. Dann der erste PC mit DOS (kann es sein, dass diese Kisten nur 384 MB Speicher hatten?), später ein Laptop mit Windows. Das erste Modem - dieses Pfeifen und Fiepen wird bald auch aus aller Leute Erinnerung verschwunden sein, dieses nervöse Rotwelsch der Platinen.
Und mittlerweile habe ich ein Schachprogramm auf meinem Notebook, das vermutlich mehr Speicherplatz verbracht als alle Geräte, die ich zwischen 1977 und 1997 besaß. Und dieses Schach ist nur ein kleines Gimmick. Viele User werden es deinstallieren, wegwerfen nach einmaligem Gebrauch, so wie auch früher die Gimmicks von Yps weggeworfen wurden.
Immerhin steht auf meinem Schreibtisch seit damals der Ritter mit der fliegenden Faust. Die Urzeitkrebse schwimmen auch noch irgendwo im Keller umher, und die Rose von Jericho warten in der Waschküche auf ein bisschen Feuchtigkeit.
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Und alles will installiert sein, auch diese ganzen kleinen merkwürdigen Programme, die alle Nase lang um Zustimmung bitten for this & that.
Aber ich habe jetzt ein vernünftiges Schach im Speicher und eine Webcam vor der Nase. Kein schöner Anblick, wenn man gerade über Grundeinstellungen verzweifelt, die man das letzte Mal vor mehr als zehn Jahren gesehen hat, und die sich seitdem grundlegend verändert haben
Andererseits habe ich jetzt 500 Gigabyte im Trockenboden, aber was soll ich dort speichern? Videos von an Leinen wehenden Hemden und Hosen?
Es ist alles so komplex geworden, dass ich mehr oder minder mit Autopilot durch die Sicherheitsabfragen und Einstellungen segele. Es wird schon nicht so schlimm kommen, denn es kommt niemals so schlimm. Die Datenautobahn weist geradeaus in Richtung Utopia.
Früher war es mehr eine Landstraße, oder ein Feldweg. Mein erster Mikroprozessor steckte in einem Telespiel vom Bertelsmann-Buchclub. PONG für mich und meinen Bruder; mein Großvater musste extra dafür Mitglied werden, damit wir die Prämie kassieren konnten. Aber was hatten wir für einen Spaß: Teletennis, Eishockey, Squash. Mich faszinierte diese neue Welt so sehr, dass ich es fertig brachte, zwei, drei Stunden am Stück "Trainingswand" zu spielen.
Doch welch Herabsetzung dieser Sensation, als mein zweitbester Freund ein Jahr später eine Saba-Konsole bekam, mit Steckmodulen. Panzerschlacht! Barriere! Labyrinth! Was für phantastische Spielmöglichkeiten taten sich da in der abrockten Altbauwohnung des stolzen Thorstens auf. Wir verbrachten ganze Nachmittage vor dem Farbfernsehgerät seiner Eltern (ein Farbfernseher!), die sich auch am Sonntagnachmittag in Netzhemd und Negligé in die Kissen sinken ließen.
Auf der Glotze stand eine Lampe aus Nylonfäden, die an den Enden leuchteten, und der Hund fing ganz wahnsinnig an zu bellen, wenn die Hundetürglocke ertönte, die niemand außer dem ungewaschenen Köter hören konnte. Hochfrequenzschall.
Später kam dann andere, bessere Hardware. Atari, Mattel Intellivision, Colecovision. Dann der erste PC mit DOS (kann es sein, dass diese Kisten nur 384 MB Speicher hatten?), später ein Laptop mit Windows. Das erste Modem - dieses Pfeifen und Fiepen wird bald auch aus aller Leute Erinnerung verschwunden sein, dieses nervöse Rotwelsch der Platinen.
Und mittlerweile habe ich ein Schachprogramm auf meinem Notebook, das vermutlich mehr Speicherplatz verbracht als alle Geräte, die ich zwischen 1977 und 1997 besaß. Und dieses Schach ist nur ein kleines Gimmick. Viele User werden es deinstallieren, wegwerfen nach einmaligem Gebrauch, so wie auch früher die Gimmicks von Yps weggeworfen wurden.
Immerhin steht auf meinem Schreibtisch seit damals der Ritter mit der fliegenden Faust. Die Urzeitkrebse schwimmen auch noch irgendwo im Keller umher, und die Rose von Jericho warten in der Waschküche auf ein bisschen Feuchtigkeit.
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Sonntag, 8. April 2012
Wie wenig sich geändert hat, in den letzten vierzig Jahren. Wir fahren noch immer in Benzinkutschen, wohnen in Altbauwohnungen, tragen Jeans und Jackett. Wenn ich nochmal in die SciFi-Romane der späten 70er hinein blättere: was für große Erwartungen. Marsmissionen, mondgroße, geostationäre Raumstationen (schon in den 50er Jahren von Wernher von Braun entworfen, vermutlich als eine Art kosmisches Neuschwabenland), Kernfusion.
Stattdessen ist nicht viel passiert. Die Computer sind kleiner geworden, ohne Zweifel, aber es ist die selbe Technik (vielleicht auch nur die gleiche). Mobilfunkgeräte sind ebenfalls miniaturisiert, aber Oberinspektor Derrick hatte schon 1973 ein Autotelefon (vermutlich A-Netz, vielleicht aber auch schon das hypermoderne B-Netz).
Und das Arpanet heißt seit zwanzig Jahren Internet, und ist auch außerhalb militärischer und wissenschaftlicher Kreise zugänglich. Videospiele (damals Telespiele genannt) bestehen nicht nur aus drei Pixelblöcken (PONG), aber man wird genauso stumpf in der Birne von einer halben Stunde Mario Brothers (und Super Mario existiert jetzt auch schon seit 30 Jahren).
Das Einzige, das sich stark gewandelt hat, ist die politische Lage. Systemwechsel, Sieg des Kapitals. Und die Literatur hat sich verändert, zum Besseren hin (vielleicht weil sie sich nicht mehr für das Politische zuständig fühlt). Sie ist viel komplexer geworden, tiefgründiger, weniger starr.
Aber was Umgebung und Lebensumstände anbelangt, leben wir in den anhaltenden, sich in die Jahrzehnte blähenden 70ern. (Goodbye seventies, sangen Yazoo 1982). Die gleichen Klamotten, die gleichen Kinder- und Gesellschaftsspiele, die gleichen, nein, die selben Filme (STAR WARS). Nur Barbie heißt jetzt LilliFee, und das Phantom ist in Rente gegangen (nach einem missglückten Wiederbelebungsversuch). Die anderen Superhelden allerdings: alle immer noch schwer am Machen. (Und die Masters of the Universe warten schon auf ihre Neuverwertung. Sie warten in der Weltraumstadt "Wernher von Braun II").
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Stattdessen ist nicht viel passiert. Die Computer sind kleiner geworden, ohne Zweifel, aber es ist die selbe Technik (vielleicht auch nur die gleiche). Mobilfunkgeräte sind ebenfalls miniaturisiert, aber Oberinspektor Derrick hatte schon 1973 ein Autotelefon (vermutlich A-Netz, vielleicht aber auch schon das hypermoderne B-Netz).
Und das Arpanet heißt seit zwanzig Jahren Internet, und ist auch außerhalb militärischer und wissenschaftlicher Kreise zugänglich. Videospiele (damals Telespiele genannt) bestehen nicht nur aus drei Pixelblöcken (PONG), aber man wird genauso stumpf in der Birne von einer halben Stunde Mario Brothers (und Super Mario existiert jetzt auch schon seit 30 Jahren).
Das Einzige, das sich stark gewandelt hat, ist die politische Lage. Systemwechsel, Sieg des Kapitals. Und die Literatur hat sich verändert, zum Besseren hin (vielleicht weil sie sich nicht mehr für das Politische zuständig fühlt). Sie ist viel komplexer geworden, tiefgründiger, weniger starr.
Aber was Umgebung und Lebensumstände anbelangt, leben wir in den anhaltenden, sich in die Jahrzehnte blähenden 70ern. (Goodbye seventies, sangen Yazoo 1982). Die gleichen Klamotten, die gleichen Kinder- und Gesellschaftsspiele, die gleichen, nein, die selben Filme (STAR WARS). Nur Barbie heißt jetzt LilliFee, und das Phantom ist in Rente gegangen (nach einem missglückten Wiederbelebungsversuch). Die anderen Superhelden allerdings: alle immer noch schwer am Machen. (Und die Masters of the Universe warten schon auf ihre Neuverwertung. Sie warten in der Weltraumstadt "Wernher von Braun II").
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