Sonntag, 25. April 2021

In letzter Zeit habe ich ja schweres Bauchgrimmen des Alterns wegen. Erwähnte ich das schon?
Mein Körper baut ab, die (wenigen, immer schon dürftigen) Muskeln werden in Fett tranformiert, was denn Effekt hat, dass ich zwar nicht in die Breite gehe, aber trotzdem immer schwabbeliger werde. 181 groß, 75 Kilogramm schwer und einen Körperfettanteil von 27 Prozent. (Du Lauch, oder besser gesagt, du Pudding). Also habe ich unlängst mit etwas Training angefangen, am Morgen, im violetten Bademantel. 3-Kilo-Hanteln und rumgezappel auf dem Boden.

Inspiriert hat mich dazu auch der Blog des muskulösesten Schriftstellers der Welt, André Spiegel, der nicht nur einen Bizeps hat, sondern auch Style, sowohl im Schreiben, als auch im Kleiden. Seinen großartigen Blog findet ihr hier:

Sport also. Es ist nicht zu fassen, was ich auf meine alten Tage noch alles veranstalte. Ich habe noch nie in meinem Leben Sport gemacht (von einem halben Jahr Judo im Alter von sieben Jahren abgesehen - ich hab nicht mal den gelben Gürtel bekommen), alle Muskeln, die ich habe, sind mir genetisch vererbt worden. Vielleicht hatte ich vor Äonen einen Hufschmied als Ahnen.
Vor fünf Tagen habe ich angefangen, unangeleitet und unkoordiniert. Diese niedlichen Hanteln waren ja noch zu meistern, aber als ich mich zum Liegestützen niederließ, brach ich nach fünf Stück fast zusammen und zehn Sit-ups schienen mir die Bauchmuskulatur zu zerreißen. Nach zehn Minuten Training war ich völlig fertig. Doch der menschliche Körper ist ein Wunderwerk, der mich immer wieder überrascht. Vor allem meiner.

Jetzt, nach nur fünf Tagen, halte ich schon eine halbe Stunde durch, bringe 20 Liegestütze und 30 Sit-ups fertig und fühle mich wie He-Man! Ganz ohne Flax, mein Körpergefühl hat sich nach so kurzer Zeit schon verändert. Und deswegen habe ich beschlossen, das weiterzuverfolgen. Und mich in einem Fitness-Studio anzumelden. Doch: Stopp! Corona! Verdammt!
Dabei gibt es bei mir um die Ecke ein sehr schönes Studio, das in einem Gebäude residiert, welches den Architektur-Kenner an einen SciFi-Streifen aus den 70er Jahren denken lässt. Man muss dort, im 5. Stockwerk des Forum Steglitz, einen großartigen Ausblick haben. Schön muss es dort sein. Das ist mir schon oft aufgefallen, wenn ich an dem Gym vorbeiging, auf dem Weg in die Steglitzer Bücherei (die Ingeborg-Drewitz-Bibliothek, die ich sehr empfehlen kann).

Noch nie war ich in einer Mucki-Bude, ich habe so etwas immer milde verachet, aber jetzt will ich dort hin. Ich will an die Gewichte, zum Yoga und zum Zumba (hört sich toll an, aber was - um Gottes Willen - ist das? Zumba?). Vor allem will ich an die Rudermaschine. Denn über die Anschaffung einer Rudermaschine denke ich schon lange nach (seit ich "House of Cards" geschaut habe). Doch gute Rudermaschinen sind teuer - würde ich mir eine kaufen (wofür ich nicht das Geld habe), hätte ich zwei Jahresbeiträge für das Fitness-Studio ausgegeben. Also möchte ich sozusagen die günstige Variante wählen.
Aber werde ich dort nicht einen Kulturschock bekommen? Oder werde ich in ein modernes, gesundes, optimiertes, muskulöses Leben hinein gezogen? Dürfen Dichter überhaupt in Mucki-Buden gehen? Und soll ich schon mal das Vorher-Foto aufnehmen?
Das Leben und die Fragen, die es einem stellt, sie werden nicht einfacher mit zunehmendem Alter.

Eugen Sandow

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